Insel der Glückseligen!

von emaloca / am 22.06.2016 / in Allgemein
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Es war nur ein verlängertes Wochenende – doch der 3-tägige Segeltörn fühlte sich an wie mindestens eine Woche Urlaub. Pfingstsegeln war für mich ausgefallen. Ich lag röchelnd und hustend zu Hause auf dem Sofa.

Mein Skipper schickte mir Fotos und WhatsApp-Nachrichten, die mir das Kranksein nicht gerade leichter machten: toller Segelwind, die Arbeitsfock bewährt sich super, der neue Motor schafft es auch bei Windstärke 5 gegenan, Spitzengeschwindigkeit 9,8 Knoten. Grrr.

boot

Nur die Nachricht, dass der mitsegelnde „Leichtmatrose“ bei Windstärke um 7 bft und beachtlichem Wellengang die Fische füttern musste, versöhnte mich etwas. Das würde mich als Crewmitglied vor meinem Skipper aufwerten, bin ich doch bislang von derartigen Unbillen verschont geblieben. Bislang reichte mir immer ein starrer Blick zum Horizont und ein Festhalten an der Pinne bzw. dem Ruder und die Fische mussten hungern.

knotenAber nun waren wir beide endlich wieder einmal unterwegs. Bei 6 bis 7 Windstärken und achterlichem Wind konnte ich mich selbst vom Nutzen der neuen Arbeitsfock überzeugen. In sonniger Rauschefahrt segelten wir von Fehmarn nach Poel in den kleinen Hafen Timmendorf. Ein Hafen, wie wir ihn lieben: nicht unnötig aufgebrezelt, funktionstüchtige Fischerboote, entsprechend frischer Fisch und eine abendliche Stille, die man hören konnte. Hier quakte mal ein Frosch in der Ferne, dort plätscherte mal eine Welle gegen den Strand.

timmendorf

Samstag morgens eröffneten wir die Badesaison – stolz wie Oskar natürlich und mit Lust auf ein deftiges Frühstück. Der Wind hatte nachgelassen, also schnell die Arbeitsfock runter, Genua wieder rauf und bei angenehmen Am Wind Kurs zurück Richtung Fehmarn. Unsere Emaloca war gut getrimmt, also brauchten wir nicht groß zu steuern, sie hielt ihren Kurs allein. Die Sonne schien, das Meer glitzerte. Daran wollte ich unsere neuen syrischen Freunde unbedingt wenigstens etwas teilhaben lassen.

Wir hatten Empfang. Also Handy raus, ein kleines Video gedreht und mein 11-Sekunden-Seglerglück per WhatsApp an sie verschickt: „Unser Boot segelt allein.“ Postwendend zurück kamen 7 Icons, Äffchen, die sich die Augen zuhalten.

whatsup

Dazu ein Foto: D. mit angespanntem, angstvollem Gesicht am Strand. Rechts und links von ihr stehen zwei europäische Frauen, die ihr an Land geholfen haben. Dahinter das Boot, das sie von der Türkei auf eine griechische Insel gebracht hatte. Daran hatte ich in meiner Segelbegeisterung schlicht nicht gedacht. Was für mich absolutes Glück und Freude bedeutet, ist für unsere syrischen Freunde mit Krieg, Vertreibung und Flucht unter Lebensgefahr verbunden.

Schlagartig wurde mir damit wieder vor Augen geführt: nicht nur Poel ist eine Insel …. auch wir leben  auf einer Insel der Glückseligen. Wie oft vergessen wir das in unserem Alltag!langsamkeit

1 Kommentar

  • Paul says:

    danke euch für den Bericht. Macht immer wieder Spass zu lesen. Kann man mal für fünf Minuten abschalten…Gute Fahrt wünscht Paul

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