Absegeln weggeblasen – fortgeregnet

von emaloca / am 02.12.2016 / in Allgemein
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Eine Woche Herbsturlaub im Oktober! Die wollten wir nutzen, um noch einen kleinen Törn zu machen und dann gegen Ende der Woche das Boot auszukranen. Doch schon die Wetterprognose,  nichts Gutes für unsere Absegelpläne!

Sonntag am späten Nachmittag kamen wir in Orth auf Fehmarn an. Sofort stellte sich wieder ein vertrautes „wir sind zu Hause“-Gefühl ein. Eine ungewöhnliche Stille empfing uns, kein Lufthauch war zu spüren, dafür spiegelten sich fantastische Wolkenformationen in der Ostsee.

seensucht

Immerhin hatten wir noch 10 Grad im Schiff. Nach einem steifen, heißen Grog stimmte die Temperatur fast wieder. Tief und fest geschlafen bis zum nächsten, ebenfalls völlig windstillen Morgen. Nach der neuesten Wetterprognose und dicken grauen Wolken, die langsam in Richtung Hafen drifteten, gestand sich auch mein Skipper ein: „Unser Absegeltörn fällt ins Wasser. Lass uns die Segel abschlagen, bevor es anfängt zu regnen.“ Gesagt, getan. Spinnen aus ihrem sicher geglaubten Winterquartier gejagt, Segel runtergeholt und zusammengelegt. Kaum waren wir damit fertig, fing es an zu regnen und Wind kam auf.

regenboot

warmflaschen

Buttwetter

Zeit zum Lesen und kochen. Gemüsepfanne mit Reis sollte es geben, eine Mischung aus gebunkerten Dosen (Kichererbsen) und dem letzten frischem Gemüse (Zucchini und Möhren) aus unserem Garten. Toc, Toc, klopfte es. Unser Bootsnachbar hatte mit seinem Kumpel trotz des Usselwetters eine Angeltour gemacht und brachte uns zwei Butt mit – so frisch, dass sie sich noch in der Pfanne mit der heißen Butter bogen. Genuss pur! Und welch Zufall – wir hatten noch eine Flasche kühlen Weißwein dabei.

buttwetter

Die armen Urlauber

Der nächste Morgen weckte uns mit Regen und Sturm. „Die armen Urlauber“ meine mein Skipper voller Empathie, als wir uns noch gemütlich in der Koje räkelten. „Na dann ist ja man gut, dass wir keine Urlauber sind, sondern Segler!“ dachte ich bei mir als ich durch den Nieselregen über die lange Mole zu den Waschräumen ging. Frauen gab es im Hafen anscheinend keine mehr, ich hatte die freie Dusch- und Waschbeckenauswahl.

starenhimmel

Der Regen hatte eine Pause eingelegt und gemächlich schlenderte ich zurück zu unserer Emaloca. Alle Sinne offen: Meine Augen sahen den Fischer in seinem kleinen Boot der in leuchtend orangenem Ölzeug seine Reusen kontrollierte, nahmen die kräftig roten Hagebutten wahr, bemerkten die letzten rosafarben blühenden Strandnelken. Meine Ohren hörten das Heulen des Windes und die kreischenden Möwen, die um das Fischerboot herumlungerten. Ich genoss die kalte, klare Ostseeluft in meinem Gesicht. Meine Nase wurde nicht mit Autoabgasen oder unterschiedlichen menschlichen Duftnoten überflutet. Nur als ich wieder in die Kajüte kam war ganz leicht noch das Fischgericht von gestern zu erschnuppern. Aber fangfrisch zubereiteter Fisch riecht auch am nächsten Tag noch einfach lecker und überhaupt nicht fischig.

herbsthimmel

Ja, auch wenn wir nicht segeln, gehören solche Tage für uns zum Segeln einfach dazu! Und die Seensucht nach der nächsten Saison bleibt!

4 Kommentare

  • Geert Karnick says:

    Schön erzählt.
    Wir hatten am 30. Oktober Absegeln, bei strahlendem Sonnenschein und mäßigen Winden. Auch schön.
    Und dann wurde es doch noch ein neues Boot, welches wir am 25./26. November überführt haben. Der 25. mit Nebel und ohne Wind, am 26.11. Sonne und 5 Bft. Klasse, aber kalt. Nun ist der halbe Winter schon fast um und wir freuen uns auf die neue Saison.

  • Rolf says:

    Die Geschichte passt genau in die Segelsaion 2016! Es war doch sehr „durchwachsen“, der Frühsommer und der Oktober waren gefühlt verregnet und verweht.

    Hoffen wir auf ein besseres Segeljahr 2017! Euren Blog finde ich übrigens prima.

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