Cap San Diego

von emaloca / am 12.01.2017 / in Allgemein
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Man gönnt sich ja sonst nichts, dachten mein Skipper und ich und machten uns zu Weihnachten auf zu einem Trip nach Cap San Diego. Familie wollten wir verknüpfen mit Urlaub, also nichts wie los. Echtes Schietwetter für die Anreise, muss ich schon sagen. Aber wir waren dieses Mal nicht mit unserer Emaloca unterwegs.

Als wir abends endlich ankamen, war alles in wundersames Blau getaucht.

Beim Blick aus dem viereckigen Bullauge unserer Kajüte fielen uns hell erleuchtete merkwürdige Bauten auf. Auf einem Gebäude prangte gar ein Löwenkopf.

Unsere Kajüte war in solidem edlen 60er Jahre-Schick eingerichtet – ein Raumangebot, bei dem so mancher Traumschiffpassagier vor Neid erblassen würde. Lampen, Tisch und Koje fest verankert – die würden so manchen Sturm überstehen.

Auch Ankerkette und Schiffsschraube machten einen total soliden Eindruck. Beruhigt legten wir uns schlafen.

Als die Nacht vorbei war und der Tag kam, nahmen wir ganz in der Nähe unseres Schiffes ein riesiges, wellenförmiges, glitzerndes Gebäude wahr, wohl das neue Wahrzeichen der Stadt. Wow, ziemlich imposant.

Aber erst einmal unser Schiff erkunden.  Und auch das war ganz schön beeindruckend. Vor allen Dingen fiel uns auf: keine Computer, kein Hightech, die Technik noch begreif- und nachvollziehbar:

Lastkräne statt computergesteuerte Regalsysteme…
… filigraner Schiffsdiesel mit blitzenden Hilfsaggregaten…

mechanische Steuerung, und…..

… die klassische Ölkanne!

Der Salon und der Swimmingpool waren leidernur anzugucken und nicht zu benutzen.

Wir verließen unser Schiff und machte eine Hafenrundfahrt in einer kleinen Barkasse. Hier beeindruckten am meisten die „Arbeitsplatzvernichtungsmaschinen“, wie die Kapitänin der Barkasse  die riesigen Containerschiffe mit unverhohlener Verachtung nannte. Seefahrerromantik strahlten diese Ungetüme wirklich nicht aus.

Da ist unsere „Cap San Diego“ doch noch ein ganz anderes Format. Ehrenamtliche Seemänner im Ruhestand halten den alten Stückgutfrachter mit eleganter Rumpfform in Schuss – und er ist übrigens noch fahrtüchtig.

Aber meist liegt das Hotel- und Museumsschiff im Hafen. Kajüten sind zu mieten, in denen man herrlich von einer echten Seereise nach Südamerika träumen und sich ausmalen kann, als Reisende von einem Steward exquisit im Salon bedient zu werden und bei einem Glas Champagner mit interessanten Gästen anregende Gespräche zu führen.

So war es noch in den 60er Jahren möglich, vorausgesetzt man hatte das nötige Kleingeld und genügend Zeit, aber träumen ist ja erlaubt. Vor allen Dingen, solange die Segelsaison noch nicht wieder begonnen hat, denn dann heißt es für uns natürlich wieder:

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