Emaloca auf dem Laufsteg

von emaloca / am 21.06.2017 / in Allgemein
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Letztes Jahr brachte unser Segelfreund Jochen zu unserem gemeinsamen Pfingsttörn einen Holzkasten mit. Darin konnte seine Kamera befestigt werden. So geschützt wurde das Ganze mit einem Fall am Mast hochgezogen und mit einer Führungsleine gesichert. Nun konnte das ganze Boot fotografiert werden – inclusive Jochen, der, auf dem Rücken liegend, mit der einen Hand die Führungsleine hielt und mit der anderen über das Handy die Kamera auslöste.

Ein gutes Foto erfordert Einsatz!

Zum diesjährigen Pfingttörn hatte er einen Selfie-Stick gebastelt. Als wir ihn morgens abholten, um nach Fehmarn zu unserer Emaloca zu fahren, fragte er zögernd:“Kriegen wir den noch ins Auto?“ Ich war etwas verwirrt ob dieser Frage. Doch dann folgten meine Blicke seinem Zeigefinger. Der Selfie-Stick lag auf dem Bürgersteig und bestand aus drei Teilen, genauer gesagt drei massiven Holzstangen von jeweils mindestens zwei Meter Länge mit einer Gewindestange an einem Ende. Vielleicht sollte ich sagen, dass Jochen von Beruf Schreiner ist. „Und was willst du damit machen?“ „Uns beim Segeln fotografieren!“ „Ach so, na klar….“ Irgendwie kriegten wir die Stangen ins Auto.

Holz am Stiel

Den dreiteiligen Selfie-Stick an Bord zu verstauen war hingegen schon etwas schwieriger. Der Versuch die Teile an der Reling fest zu laschen wurde schnell aufgegeben. Die Männer erkannten messerscharf: „Die würden uns die Segel aufspießen!“ Ich zog mich lieber in den Salon zurück um unseren Essens- und Getränkevorrat zu verstauen.

Ein 6 Meter langer Selfie-Stick

Derweil saßen Skipper und Gast im Cockpit und versuchten, die Einzelteile zusammenzubauen. Die Kamera, die ans Ende vom Selfie-Stick sollte, passte nicht auf das Gewinde. Wieder einmal bewährte sich die schwimmende Werkstatt meines Skippers. Der Gast war beeindruckt von dem reichhaltigen Werkzeugangebot. Dann feilten sie, probierten, feilten weiter …bis alles passend war.

Endlich fand der Selfie-Stick seinen Platz auf dem Laufdeck neben der Achterkajüte. Aber nicht lange. Mein Skipper sprang auf mit den Worten: „Metallgewinde und Salzwasser, das ist gar nicht gut!“ Ein sicherer Griff in eine Backskiste und die Tube mit der rettenden Schmiere kam zum Einsatz.

Wir segelten nach Nysted. Die Holzstangen wurden während der ganzen Fahrt nicht weiter erwähnt und blieben wo sie lagen. Als ich abends im Hafen fragte, wann sie denn nun zum Einsatz kämen wurde mir bedeutet zu schweigen und abzuwarten.

Salat ohne Schreiner-Drohne

Am nächsten Morgen ging es nach Kühlungsborn. An eine Nutzung der Schreiner-Drohne, wie wir den Selfie-Stick inzwischen umgetauft hatten, war gar nicht zu denken. Das war auch mit meine Schuld. Ich hatte am Abend vorher für den Törn einen leckeren Nudelsalat mit Thunfisch im eigenen Saft, Käse, Paprika, Oliven, Jogurt vorbereitet. Na, ja und nachdem wir den Salat dann gegessen hatten, hatten der Schreiner und ich mit den Folgen zu kämpfen, die ein nicht gekühlter Salat mit Fisch eben verursachen kann. Dazu kam ein ziemlicher Ostseehack – Stufe eins auf der nach oben offenen Nudelsalatskala. Mein Skipper guckte uns fassungslos an, ihm war alles bekommen. Um das Vakuum im Magen wieder aufzufüllen gingen wir später im Hafen Pizza essen, die mit einen Köstritzer Bier runtergespült wurde.

Endlich Foto-Shooting

Auf dem Schlag ins Salzhaff bei Rerik war es dann endlich soweit. Ein leichter Am-Wind-Kurs, Sonnenschein, Emaloca fand den Weg, ohne dass Ruderhilfe nötig war, bis die beiden Männer, von plötzlicher Unruhe erfasst, mit den drei Stangen zum Bug liefen und zwei davon zusammen schraubten. Vorne, wo die Kamera saß, wurde die Stange noch mit einem Fall gesichert.

So lange die Arme halten

Jochen hielt seine Schreiner-Drohne längsseits ab von Emaloca. Gerd sollte mit dem Handy die Kamera auslösen.

Wenn Männer spielen

Ich beobachtete das Ganze vom Ruder aus. „Da kriegt ihr ja die dicke Stange voll ins Bild!“ Angesichts der unfreundlichen Reaktion behielt ich meine weiteren feministischen Interpretationen für mich.Sie knipsten und knipsten. Manchmal bekam ich das Kommando über die Sprayhood zu gucken, damit ich mit ins Bild käme.

Holz ist eben nicht unsichtbar

Nachdem wir im Salzhaff den Anker ausgebracht hatten, wurde weiter fotografiert. Jochen hielt zwei Stangen wie eine Standarte über seinen Kopf, Gerd fummelte am Handy und ich sollte nach oben gucken. „Jochen, warum nimmst du denn nicht alle 3 Stangen?“ fragte ich scheinheilig. „Weil ich sie ja auch halten muss!“ presste er zwischen den Zähnen hervor.

Drohnen-Standarte

Immerhin: alles drauf

Für den Rest des Segeltörn stand danach das weitere Austesten des Prototyps nicht mehr im Vordergrund. Dabei hatte Jochen noch ein wasserdichtes Gehäuse für seine Kamera dabei, da hätte er doch mal aufnehmen können, wie so die Ostsee in 6 Meter Wassertiefe aussieht.

Ich bin gespannt, was Jochen für den nächsten Pfingttörn bastelt, denn ich gehe davon aus, dass die Schreiner-Drohne einem anderen Verwendungszweck zugeführt werden muss.

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