Nie wieder Urlaub

von emaloca / am 18.07.2017 / in Klönschnack
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(1-2017) Nun ist es soweit. Lange ersehnt: wir können segeln, solange wir wollen, sind nicht mehr in Urlaubszeitzwänge eingepfercht. Geplant haben wir 2 bis 3 Monate unterwegs zu sein. Richtung Norden soll es diesmal wieder gehen. Zuerst wollen wir Aarhus ansteuern. Sie ist die zweitgrößte Stadt Dänemarks und dieses Jahr europäische Kulturhauptstadt. Dann wollen wir durch den Limfjord in die Nordsee, von dort weiter gen Norden an der norwegischen Südküste entlang nach Oslo und danach durch die schwedischen Westschären über Göteborg zurück. Aber vielleicht kommt ja auch alles ganz anders.

Melancholie

Hört sich doch alles super an und der Gedanke daran hat uns den ganzen Winter und das Frühjahr über getragen. Doch komisch, während wir die Tage vor unseren Urlauben kaum aushielten um endlich, endlich auf unser Boot zu kommen, ist es diesmal etwas verhaltener. „Schönes Zuhause haben wir, schönen Garten, ach und ist der kleine Hamoudi von unseren syrischen Freunden nicht knuffig…“.

Dabei hatte ich vorher tagelang mit Begeisterung alles mögliche für unseren Törn vorbereitet: Gemüse und Fleisch eingekocht, Sachen gepackt, Lebensmittel eingekauft, mit lieben Menschen noch ein Schwätzchen gehalten. Aber am Abend vor unserer Abreise nach Fehmarn hat auch mich eine leichte Melancholie gepackt. Bei Gerd ist es viel ausgeprägter. Er hatte zwei Tage vor unserer Abreise seinen letzten Arbeitstag und hat sich innerlich noch nicht so richtig mit seinem Rentnerstatus arrangiert.

Endlich an Bord!

Doch jetzt sind wir an Bord und alles fühlt sich schon gleich viel besser an. Gemächlich wollen wir es angehen lassen und laden Gepäck und Lebensmittel von 4 Karren ins Boot. Wo soll das bloß alles hin? Plötzliche Hektik, ein lautes, penetrantes Brummen im Schiff irritiert uns. Mein Skipper und ich kriechen durch das Boot, schieben uns an etlichen Taschen und Kisten vorbei, machen Schapps auf und wieder zu, schieben Taschen beiseite, kriechen weiter. Irgendwann die Erkentnis: „Lass uns mal logisch rangehen, wir haben doch noch gar keinen Strom gelegt, der Hauptschalter ist aus und die Batterie zeigt Normalwerte.“ Grübel, grübel. Plötzlich macht Gerd entschlossen seine Reisetasche auf. Er hatte sich vor unserem Törn eine Haarschneidemaschine zugelegt. Beim Gepäckverladen muss das Ding wohl angestellt worden sein und wir haben auf der Suche nach dem Geräusch die Tasche hin- und hergeschoben und sind entsprechend hinterher gekrochen. Gut, dass uns niemand gesehen hat. Was für ein Einstieg in den Ruhestand.

Aber die Haarschneidemaschine funktioniert. Ich habe meinem Skipper soeben auf unserem ersten Ankerplatz östlich der Insel Enehöje im Nakskovfjord (Südwestecke von Lolland) die Haare damit geschnitten. Das Leben geht weiter. Wohin wir morgen segeln wissen wir noch nicht.

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