Tunö – eine kleine Insel im Kattegat

von emaloca / am 25.07.2017 / in Ostseetörns
2

(2-2017) Wir kommen schon morgens um 9 Uhr im Hafen der Insel Tunö im Kattegat an. Rund zwei Stunden sind wir vom Hafen Kolby-Kas auf Samsö motort, kein Windhauch regte sich. In Kolby-Kas lagen wir im Päckchen und das Boot, an dem wir festgemacht hatten, wollte um 7:00 Uhr morgens los. Wer allerdings dann um die Uhrzeit losfuhr, das waren nur wir….

Ein flirrender Gast an Bord – es war ein Barfuß-Tag

Eine Nacht davor lagen wir im Hafen Korsör auf Seeland. Wir sind dorthin bei achterlichem Wind nur unter Genua gesegelt oder besser geeiert. Emaloca schwankte hin und her wie eine alte Seekuh, die zu viel gegorenes Obst gefressen hat. Aber immerhin war mal ein „Barfuß- und Shorts-Tag“. Nach so einem Tag  stellt sich bislang aber immer ein „Lange-Unterhosen-Tag“ ein. Im Augenblick wechseln solch unterschiedliche Kleidungs-Tage sogar mehrmals täglich.

Kolby-Kas auf Samsö – ein Lange-Unterhosen-Tag!

Aber weg von Kleidungs-Fragen noch einmal hin zu Korsör. Ein merkwürdiger Hafen, irgendwie leblos. Im Ort schließen die Geschäfte um 5:00 Uhr. Direkt neben dem Hafen liegt ein dänischer Marinestützpunkt. Die Kriegsmarine in Grau ist auch im Lystbadehavn unübersehbar.

Die Idylle trügt!

Eigentlich wollten wir ankern, aber der Wetterbericht ist zur Zeit so nebulös wie ein Horoskop in einem Klatschblatt. Windstärkenvorhersagen von 4 bis 7 mit nächtlichen Drehern, mögliche Schauer- und Gewitterböen. Das sind alles keine Bedingungen, die Lust aufs Ankern machen, so sind wir denn auch von Kolby-Kaas in den Hafen von Tunö gefahren. Die Wettervorhersagen trafen übrigens nie ein, wir hätten wunderbar ankern können.

Laut Hafenhandbuch ist der kleine Hafen von Tunö ein beliebter Yachthafen für Urlauber. Das stimmt, wir haben den Eindruck, dass viele Boote sich kennen und Familien mit Kindern den Hafen und die Insel lieben. Nachdem wir einen Logenplatz im Hafen gefunden haben, sitze ich im Cockpit und beobachte ein paar Stunden die Szenerie während mein Skipper joggt.

Auf der Pier stehen Tische mit Sitzbänken. Eine Sitzgruppe wird schnell von einer Crew mit zwei Handtüchern belegt. Andere Tische sind bereits mit Blumensträußen markiert. Grillgut wird in Position gebracht. Aha! Wahrscheinlich muss man hier ein paar Tage sein, um sich ein Anrecht auf einen Tisch zu erwerben.

Grillmöglichkeiten gibt es in Dänemark allerdings  auch in der freien Landschaft! Das Motto: Fleisch heißt mein Gemüse!

Ein großes Motorboot hat eine Deutschlandfahne von einer Größe, die uns als Bettlaken reichen würde. Stolz steht der drahtige Besitzer in einem weißen, gebügelten, ordentlich durchgeknöpften Hemd auf seinem Steuerstand (Verzeihung: Flydeck) und guckt über den Hafen – wie ein Feldherr, der sein soeben erobertes Terrain betrachtet. Sein Boot heißt passenderweise „Renn-Dite“!

Gegenüber am Steg steht ein alter Seebär und macht gemächlich sein Segelboot, eine alte Vindö, zum Ablegen klar. Der Skipper hat ein gemütliches Gesicht und einen kugelrunden Bauch. Sein Boot heißt „Bacchus“!

Das Wahrzeichen von Tunö: ein Kirche mit Leucht- statt Glockenturm

Immer mehr Leben kommt in den Hafen. Auf allen Booten regt sich etwas, Geschirr klappert, Gelächter und Stimmengewirr kommen auf, Brötchentüten werden an Bord gebracht, Kinder wollen bespaßt werden. Viele Boote legen ab, fahren raus oder rangieren hin und her, um vom Päckchen in eine frei gewordene Box zu fahren.

Tunö-Fähre

Der Traktor vom Tunö-Kobmandsgard fährt zum Fähranleger und wartet auf neue Ware. Der Fähranleger füllt sich,  – nicht mit Autos, die gibt es hier nicht – sondern mit Menschen, Kinderkarren, Trollies und Fahrrädern. Als die kleine Fähre an- und wieder ablegt, gibt es jeweils ein großes Gewinke am Pier und auf dem Boot. Danach kehrt wieder langsam Ruhe im Hafen ein. Nur der Trecker vom Kobmandsgard kehrt noch einmal zurück. Es ist Ferienzeit und er konnte nicht seine ganze Ware beim ersten Mal abtransportieren. Die Kinder am Krabbensteg, den Kescher in der Hand und den Popo in die Höhe, versuchen unermüdlich Krebse und anderes Getier aus dem Wasser zu fischen.

Spaziergangsausblicke auf Tunö

Wir bleiben einen Tag auf der zauberhaften Insel um uns dann ins nahe gelegene Aarhus auf Jütland aufzumachen – und wow, die europäische Kulturhauptstadt 2017 hat wahrlich etwas zu bieten. Doch das im nächsten Blog.

2 Kommentare

  • Mark Rensch says:

    Sehr schön und witzig geschrieben!
    Wir haben vieles genauso erlebt, nur andernorts…
    Sabine und Mark vom Goggolori
    goggolori.segelnblogs.de

  • Anke und Gerd von der Emaloca says:

    Es ist aber auch vieles zum Schmunzeln in den hyggeligen Häfen von Dänemark. .. man muss sich nur die Zeit nehmen und hingucken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.