Lieber Hafen Bönnerup!

von emaloca / am 05.08.2017 / in Allgemein
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(5-2107) Lieber Hafen Bönnerup, du hast bestimmt auch wunderschöne Seiten. Wir wollen auch nicht verkennen, dass du dich im Sejlerens, dem Marina Guide damit anpreist, dass du nicht nur schöne Sandstrände für Kinder, sondern auch gleich 3 (!!!) Defibrilatoren im Hafenbereich hast. Wie beruhigt sind wir Ruheständler da – und beinahe hätten wir sie auch brauchen können als wir in dir, lieber Hafen, eingelaufen sind.

Regnete es doch nicht nur in Strömen, sondern gab es auch noch Blitz und Donner dazu in deiner langen Hafeneinfahrt, umsäumt von Windrädern.

Als wir endlich in dir, die Brillen vom Regen getrübt, einen Liegeplatz ausgemacht hatten, konntest du bestimmt nichts dafür, dass dieser für uns zu schmal war und wir feststeckten. Nur mit vereinten Kräften im Pfähleauseinanderschieben kamen wir wieder frei und haben damit den in ihren trockenen Kuchenbuden Sitzenden ein außergewöhnliches Hafenkino geboten.

Alles nass und keine Sonne zum trocknen!

Und was war der Lohn? Nachdem der Regen nachgelassen und alles schön nass und rutschig war, haben wir noch eine passende Box für uns gefunden. Direkt hinter einem riesigen Motorboot, welches uns, als dann die Sonne wieder kam, die unsere Sachen und unser Cockpit hätte trocknen können, eben diese Sonne versperrte und wir im feuchten Schatten saßen. Nicht ganz, ein kleines Fleckchen Sonne war uns geblieben: am Heck, direkt vor der Badeleiter und dem Rettungsring. Dort ließen wir uns nieder so gut es eben ging und zischten Dosenbier.

Neee, was für ein Tag!

Du hast auch bestimmt nichts damit zu tun, dass auch auf der anderen Seite kein angenehmer Nachbar war, sondern ein total vermoostes, halb verfallenes Boot. Aber vielleicht kannst du dir vorstellen, dass so etwas aufs Gemüt schlägt, wenn man über 40 Seemeilen hinter sich und der erster Ruhestandstörn gerade angefangen hat.

Ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass sich bei uns schon auf dem Weg von Ebeltoft zu dir, lieber Hafen Bönnerup, einige unangenehme Vorkommnisse zugetragen haben, die unserem Wohlbefinden nicht gerade förderlich waren.

Zunächst einmal kam der Wind wie immer aus Süden, also direkt von hinten, und wir eierten und schwankten weiter mit der Genua gen Norden. Leider hatten wir vergessen, den Riegel vor die Kühlschranktür zu schieben! Du ahnst es vielleicht schon: eine blöde Welle kam, wir schwankten etwas heftiger zur Seite und die Tür ging auf. Heraus kam ein Teller mit einem halben Granatapfel, viele der leckeren Kerne lösten sich und kugelten munter durch den Salon. Der ebenfalls herausgefallene Schafskäse blieb zwar halbwegs in seiner angebrochenen Verpackung, nicht aber die Lake, in der er üblicherweise eingelegt ist. Ein positiver Zwischeneinschub: die Kombination von Granatapfelkernen und Schafskäse brachte mich auf die Idee, beides in gutem Olivenöl mit ein wenig frisch geriebenem Pfeffer angemacht, meinem Skipper als Gruß aus der Küche zu reichen. Lecker!

Keine Fotos von schöner Küste

Dann segelten wir an der beeindruckenden Kalkstein-Steilküste nördlich von Grenaa vorüber. Die wollten wir unbedingt mit unserer Gopro-Kamera festhalten. Wie du vielleicht weißt, ist die Gopro-Kamera sehr klein, hat dabei aber drei Knöpfe. Einen mussten wir wohl unabsichtlich beim Verstauen der Kamera ein paar Tage vorher berührt haben, denn sie gab keinen Mucks mehr von sich. Für unsere Seite Ostseestücke auf segelnblogs.de wollte ich aber mindestens noch ein paar Fotos machen. Da verabschiedete sich die Sonne nach dem Motto: „Mir doch egal, wenn der Wetterbericht schreibt, ich scheine 12 Stunden, mir reichen auch drei – und Tschüss!“ Meine Fotos sahen dementsprechend bescheiden aus und ich fluchte drei mal laut vor mich hin: „Was für sch… Fotos“. Ob das der Grund war, warum mein Fotoapparat dann elektronische Piepgeräusche von sich gab und mir auf seinem Display mitteilte, dass das Objektiv ein Problem hätte und sich die Kamera nun ausschalten würde? Das Teleobjektiv blieb jedenfalls ausgefahren, unsere Wiederbelebungsversuche scheiterten. Nun ist sie nicht nur nutzlos, sondern passt auch nicht mehr in die Fototasche.

Und dann kam allmählich der Regen und wir zu dir, lieber Hafen Bönnerup. Den Rest kennst du schon. Am nächsten Morgen verließen wir dich ohne Wehmut. Weiter ging es – wieder mit Südwind aber ohne Regen – bis zur Einfahrt in den Limfjord.

„Pfeffer und Salz“ markieren die Einfahrt zum Limfjord.

Dort liefen wir in den südlichen Hafen Egense ein. Das ist ein Hafen, wie wie wir ihn lieben, klein, verschlafen und mit fantastischem Blick auf trocken fallende Sandbänke und dem dahinter liegende Meer.

Auch andere wollen hier anlegen!

Abendliche Idylle in Egense. Emaloca am Steg!

Unser Platz, ein Freiluftkino mit passierenden Kreuzfahrtschiffen, Küstenmotorfahrzeugen und Segelbooten.

Nicht für Geld und gute Worte würden wir da mitfahren wollen! Viking Star

4 Kommentare

  • Christine Pohlmann says:

    Hallo ihr beiden!
    Es gibt so Tage, wo vieles schief läuft..Das hatten wir auch gerade ?.
    Da wünsche ich euch jetzt viel Glück und immer gute Plätze zum Ausruhen!
    Tinegrüße vom Hof

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