Die Kunst des Abwetterns im Limfjord Aalborg

von emaloca / am 11.08.2017 / in Allgemein
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(6- 2017) Bevor wir über Aalborg erzählen, müssen wir zunächst einmal über das Wetter reden obwohl Segler eigentlich wenig vom Wetter, sondern eher vom Wind reden – aber dieses Jahr ist es anders. Wer in dänischen Häfen im Sommer dänische Männer sieht, die lange Hosen tragen, weiß was die Wetterstunde geschlagen hat!

Denn normaler Weise ist nicht das Wetter entscheidend, sondern die Jahreszeit und da heißt es ganz einfach: Sommer gleich kurze Hose.

Multifunktionale Nutzung eines Segelbootes, auch zum Unterstellen geeignet!

In kleinen Hafen Egense, am Eingang des Limfjords, kamen wir mit einem dänischen Segler ins Gespräch. Wir erzählten von unserem Starkregen bei Einlaufen in Bönnerup. Da zog er sein Handy aus der Tasche und zeigte uns ein Video, genau an dem Tag in Egense aufgenommen. Das liegt knapp 20 Seemeilen, also keine 40 Kilometer entfernt. Aber dort war kein Hammerregen niedergegangen, sondern Hagel! Ein Haufen dicker Hagelkörner sammelte sich in seinem Cockpit. Dann wies er auf die gegenüberliegende Seite des Fjords nach Hals auf die letzten beiden Eisbrecher, die die Dänen noch haben und meinte ironisch: „Die brauchen wir jetzt nur noch für den dänischen Sommer!“

Dänische Eisbrecher in Hals, die letzten ihrer Art

Es ist bislang kaum ein Tag vergangen, an dem es nicht geregnet hat. Flaute mit Regen, Starkwind ohne und Starkwind mit Regen. Selten haben wir erlebt, dass Wetter- / Windvorhersage und reales Wetter so oft nicht übereinstimmen oder es gab Windvorhersagen für einen Tag mit breiten Schwankungen, von Schwach- bis Starkwind – und das traf oft zu. Aber wir sind zäh im Abwettern, also auf nach Aalborg!

Auf nach Aalborg

Unerschütterlich wie wir sind, zogen wir unsere wetterfesten Segelsachen an und machten uns auf durch den Limfjord bis nach Aalborg. Zunächst war wieder Genua-Wetter, das heißt: Wind von hinten. Zügig erreichten wir die Brücke von Aalborg, natürlich um 5 Minuten zu spät und so mussten wir fast noch eine Stunde warten, bis sie wieder geöffnet wurde. Zeit für Sightseeing der neuesten Hafencity-Skyline.

Überall entstehen Hafencity-Viertel. Wir fragen uns schon, wer da alles wohnen soll bzw. wer sich solche Wohnungen leisten kann.

Bis es wieder einmal über uns hereinbrach: Eine Schauerböe nach der anderen. Da wir aber immer noch auf die Brückenöffnung warteten, fuhren wir das Boot in den Wind und hatten Schutz unter der Sprayhood.

Mal wieder ein ganz normaler Regenschauer….

Irgendwann war auch diese Attacke vorüber, die Brücke öffnete und es konnte weitergehen. Wir entschieden uns für den westlichsten Hafen, Fjordparken, aber kurz vor der Hafeneinfahrt ging es wieder los. Bei kräftigen Böenwalzen wollten wir kein Anlegemanöver fahren, also warteten wir standby vor der Einfahrt. Da bemerkte ich aus dem Augenwinkel direkt neben unserem Boot einen verdammt dicken Stamm. Gerade als ich „Achtung“ schreien wollte, sah ich, dass der Stamm behaart war. Ein dicker Seehund guckte träge zu uns herauf, als wenn er sagen wollte: „Was macht ihr denn überhaupt bei dem Wetter hier draußen!?“ Dann schwamm er gemächlich ein paar Meter vom Boot weg und tauchte elegant unter.

Wir tuckerten in den Hafen, rechtzeitig bevor wieder der Regen kam. Große Überraschung: auf der anderen Seite unseres Steges, schräg gegenüber, liegt das Folkeboot der jungen Dänin, das wir freigeschleppt haben. Sie erzählt uns, dass dies hier Heimathafen sei und der Fjord ihr eigentliches Segelrevier. Wie klein die Welt doch ist!

Kunst zum Abwettern

Am nächsten Tag wieder einmal ein Wechsel von Regen und trockenen Momenten. Fahrradfahren, unterstellen, Fahrradfahren, unterstellen…

Eine Bühne, der optimale Schutz zum Abwettern!

Beeindruckt hat uns das Nordwerk, ein alter Fabrikkomplex mitten in der Stadt, umgewidmet zu einem Kultur- und Begegnungsraum mit Kino, Theater, Muckibude, Kunstausstellung und im Erdgeschoss: ein Sandstrand für kleine und große Kinder.

Friedliches Miteinander in der Strandfabrik!

Dann ging es in einen „Musikpark“. Seit den 80er Jahren wurde für Künstler, die in der Aaalborger Musikhalle aufgetreten waren, ein Baum gepflanzt. Davor steht eine Stele, die per Knopfdruck ein Medley seiner Musik bringt. Bekannte Namen waren zu lesen und zu hören: Bob Dylan, Joe Cocker, Prince, Wiener Philharmoniker, Cliff Richard, Shakira, Andrea Botticelli und viele mehr.

Das Bild täuscht: Es ist kein Friedwald, sondern ein Musikwald.

Den nächsten Regenschauer wetterten wir, wie schon in Aarhus, im Kunstmuseum von Aalborg ab.  Eine Sonderausstellung mit bizarren und faszinierenden Installationen der dänischen Künstlerin Nina Saunders ließ uns die Wetterkapriolen vergessen: Ein Fuchs auf einem Sofa, Sessel, die eine Party feiern oder ein Reh unter der Trockenhaube.

Nach 3 Tagen nutzten wir ein Wetterfenster und fuhren weiter in den Limfjord hinein. Teilweise unter Segeln, teilweise unter Motor, da Fjord und Fahrrinne hin und her mäandern und der Wind teilweise direkt von vorn kam. Hier begegneten uns keine Küstenmotorschiffe mehr, das Wasser scheint nicht tief genug zu sein. Nach mehreren Hafentagen wollten wir es mal wieder wissen, wir waren fest entschlossen zu ankern.

Wir schließen diesen Bericht mit einem Zitat von Karl Valentin, den wir versuchen zu beherzigen: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch!“

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