Wenn der Anker mit der Mooringboje – Mors im Limfjord

von emaloca / am 13.08.2017 / in Klönschnack
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(7-2017) Von Aalborg bis zur Aggersundbrücke segelten wir ganz gemächlich, verschont von Regen oder gar Schauerböen. Unser Entschluss stand fest: auf die Wettervorhersage (die Regen und stärkeren Wind ankündigte) ist eh kein Verlass.

Also ließen wir den kleinen Hafen Lögstör an Backbord liegen und machten uns daran, die Lögstör Bredning zu durchqueren um auf der gegenüber liegenden Seite in den Feggesund zu segeln und dort in einer geschützten Bucht zu ankern.

Die Lögstör Bredning ist eine starke, einem sehr großem See ähnliche Erweiterung im Limfjord, dabei ist das Gewässer teilweise sehr flach.

Der rote Stern auf der Insel Mors war unser Ziel

Kaum waren wir am Hafen vorbei nahm der Wind zu, durch die geringe Wassertiefe baute sich sehr schnell eine fiese kurze Hackwelle auf. Bald waren 12 m/sec normal. Die Wellen hatten weiße Schaumkronen. Wir hatten in die Genua inzwischen das 2. Reff eingebunden und Emaloca lief immer noch über 5 Knoten – und das hart am Wind.

Zunehmend häufiger zeigte der Windmesser über 13 m/sec. „Gerd, wir haben doch jetzt Windstärke 7, oder?“ „Nein, unser Windmesser zeigt immer zu viel an, etwa 1 m/sec und du musst noch den Fahrtwind abziehen, mindestens 2 m/sec.!“ „Also willst du mir jetzt sagen, dass wir nur Windstärke 4 haben?“ „Nein,“ musste er zugeben, „Windstärke 6 ist es schon und in Böen manchmal auch 7.“„Ich finde, für eine Böe dauern die Böen aber zu lange.“ „Ach freu dich doch, dass Emaloca auch bei solchen Winden zurecht kommt!“ Okay, das war richtig und ich musste zustimmen.

Allmählich näherten wir uns der Nordspitze von Mors. Das war insofern gut, da wir dort Windabdeckung finden würden. Es war aber insofern schlecht, da dort der Himmel Weltuntergangsstimmung verbreitete. Kurzum: wir fuhren von einem Schietwetter (zu viel Wind) ins andere Schietwetter (zu viel Regen).

Die Welle hat sich beruhigt und es regnete noch nicht!

Aber immerhin, noch regnete es nicht. Die Sicht war allerdings schlecht, die Backbord- und Steuerbordtonnen, die die Einfahrt in den Sund markierten, waren kaum zu sehen. Doch seit diesem Jahr können wir auch mit dem Tablet navigieren, eine echte Unterstützung.

Endlich waren wir durch das Tonnentor durch, die See beruhigte sich merklich, dafür fing der Regen an. Vor uns querte eine kleine Fähre das Fahrwasser. Eigentlich wollten wir noch knapp 2 Seemeilen weiter zu einem geschützten Ankerplatz fahren, aber hier gab es eine Mooringboje. Uns war klar, dass wir bei dem Wetter die einzigen Irren sein würden, die sich keinen Platz im Hafen suchten. Wir müssten also nicht befürchten, von dänischen Vereinsmitgliedern ‚vertrieben‘ zu werden. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ gab mein Skipper aus.

Eine Mooringboje hat eine lange Stange mit einem Ring am Ende, durch den man eine Leine zieht oder einen Bojenhaken, der wiederum mit einer Leine verbunden ist, einhängt, was in der Regel etwas bequemer ist. Ich stand mit dem Bojenhaken in strömendem Regen am Bug und mein Skipper steuerte vorsichtig auf die Boje zu. Der erste Versuch schlug fehl, ich fing leise an darüber nachzudenken was um Himmels Willen wir da eigentlich tun.

Anker bandelt mit Mooringboje an

Der zweite Versuch klappte, aber leider zu gut. Ich hatte den Bojenhaken an der Mooringboje befestigt, da kommt eine Welle, die Mooringboje hüpft hoch und ihr Ring hakt sich in die Fluke unseres Ankers ein. Mein Skipper hat aber nur gesehen, dass der Haken in der Mooringboje sitzt und fährt langsam zurück, was natürlich eine erhebliche Spannung auf den Anker bringt, der fest mit der Boje verhakt ist. Ich schreie und tobe wie ein Rumpelstilzchen am Bug herum. Wind und Regen sind aber so laut, dass Gerd natürlich nichts versteht. Ich versuche mich mit dem Bojenhaken wieder so nah an die Boje zu ziehen, damit der blöde Anker wieder frei wird. Irgendwie gelingt mir das auch mit nur einem verstauchten Finger als Folge. Es gießt weiterhin in Strömen. Ich bin inzwischen ganz sicher, dass es der absolute Schwachsinn ist, bei so einem Wetter nicht im Hafen zu sein.

Da guckt auch noch mein Skipper hinter der Sprayhood hervor und schreit in anklagendem Ton: „Was ist denn nun schon wieder schief gegangen?!“ Ich kriege Schnappatmung. Das ist zu viel für meine Nerven. Er kommt nach vorne, ich drücke ihm die Leine in die Hand und sage nur: „Mach du fest“ und verziehe mich erst einmal in den Salon, leise vor mich hin quarkend: „Was für ein Schwachsinn, warum mach ich das bloß?“ Nachdem ich mich etwas beruhigt habe und mein Skipper nun im strömenden Regen die Halterung vom Anker, die sich natürlich schon verbogen hatte, wieder in Form bringt, mache ich einen Tee. Der, zusammen mit leckerem dänischen Hefegebäck, beruhigt unserer beider Nerven, während sich draußen ebenfalls allmählich Regen und Wind beruhigen.

Hat es sich gelohnt?

Wir wärmen unser Essen vom Vortag auf, Spitzkohlgemüse mit Möhren und Reis, würzen ordentlich mit Curry nach und können im Windschatten unter der Sprayhood langsam das Panorama genießen. Denn der Himmel fängt an zu zaubern. „Bühnenbilder für eine dramatische Oper!“ meint mein Skipper, „die kann keiner malen“ und legt uns dazu eine Oper auf. So sitzen wir unter einer warmen Decke und wissen gar nicht, wohin wir unseren Blick wenden sollen. „Hat sich die Quälerei gelohnt?“ „Eindeutig ja!“ Das sollten wir einfach öfter machen.

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