Kurswechsel nach Inselhopping im Limfjord

von emaloca / am 17.08.2017 / in Allgemein
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(8-2017) Drei wunderschöne Inseln im Limfjord haben wir angesteuert: Livö, Fur und Venö. Wir können sagen, es lohnt sich. Und wir haben unsere Reiseroute geändert.

Livö, die autofreie Naturschutzinsel

Nach unserem Moorgingbojenabenteuer bei Mors kamen wir mit einem kurzen Schlag von 10 Seemeilen nach Livö. Der kleine Hafen der Insel wirkt eher wie ein Schuhkarton, an dessen Rändern man anlegt. Hier gab es ein Mikroklima vom Feinsten, da er die Wärme der Sonne, die ausnahmsweise mal schien, wunderbar einfing. Wir jubelten: „So fühlt sich Sommer an!“ und schmissen Schuhe, Socken, Fleecejacke in die Ecke und hängten unsere Bettdecken über den Baum. Ein anderes Boot hatte eine Totalräumung vorgenommen. Polster, Bettdecken, Kleidungsstücke, Handtücher… kurz alles was in einem Boot nicht niet- und nagelfest ist, war auf dem Boot und an Land ausgebreitet. „It looks a little bit messy,“ meinten die beiden Segler fast entschuldigend, die Regenschauer vom Vortag hatten ihnen übel zugesetzt.

Drei Stunden dauert es, die Insel zu Fuß zu umrunden. Heidelandschaften, verwunschene Trollwälder, Steilküsten mit tiefen Einschnitten zum Meer, Wiesen, Weiden und Kornfelder wechseln sich ab. Ab und zu springt ein Frosch über den Weg, unzählige Schmetterlinge (z.B. Bläuling, Admiral oder Wildbrettspiel) schwirren durch die Luft.

Auf den biologisch bewirtschafteten Ackerflächen werden alte Getreidesorten angebaut. Im „hyggeligen“ Inselcafé kann das Getreide ganz oder als Mehl gekauft werden. Die Insel wirkt friedlich und harmonisch, wie ein verzauberter Landschaftspark.

Fur, ein erdgeschichtliches Lexikon

Am nächsten Tag segelten wir zu der nur einen Katzensprung entfernten Insel Fur. Der Sommer hatte sich wieder verflüchtigt, aber der Wind sollte nachlassen. Leicht fiel uns daher die Entscheidung, in einer geschützten Bucht zu ankern, von der aus wir dann die Insel erkunden wollten – so die Theorie. In der Bucht gab es wieder eine (natürlich) nicht besetzte Mooringboje, an der wir problemlos festmachten. Aber ab dann wiederholte es sich: der Wetterbericht stimmte nicht, der Wind ließ nicht merklich nach, Wellen liefen in die Bucht und es fing an zu regnen. Emaloca tanzte an der Boje und ich war beim Kochen froh, dass unser Herd eine kardanische Aufhängung hat. Ein dänisches Segelboot nahm eine andere Mooringboje, gab aber nach einer halben Wellentanz wieder auf und fuhr in den direkt neben der Bucht liegenden Hafen von Fur.

Wir blieben bis zum nächsten Morgen, um dann auch in den Hafen einzulaufen, Klappfahrräder auszupacken und loszuradeln. Fur ist berühmt für seine Molervorkommen. Das sind 555 Millionen Jahre alte Kieselalgen in Verbdindung mit Ton, die sich meterdick aufgeschichtet haben. Dazwischen sind die Ablagerungen von rund 200 Vulkanausbrüchen in Norwegen erkennbar. Zudem haben Faltungen der Erdoberfläche fantastische Skulpturen geschaffen, die an der Steilküste und im Tageabbau zu bewundern sind. Mit Glück, Geduld und Kenntnis findet man dort Versteinerungen. Wir haben solche im empfehlenswerten Naturkundemuseum bewundert.

Venö, Insel für die Seele

Die 25 Seemeilen von Fur nach Venö haben mal wieder alles beinhaltet: normaler Wind und dann extreme Schauerböen bis kurz vor dem kleinen Hafen: Groß gerefft, Genua zweifach. Aber dann ging uns, sobald wir das Boot festgemacht hatten, das Herz auf. „Ist das schön hier.“ Es waren nur vier Gästesegler im Hafenbecken und wir waren das größte Boot! Das ist noch nie vorgekommen und wird sich sich so schnell wohl auch nicht wiederholen.

Wir erkundeten die schmale, aber langgestreckte Insel mit dem Fahrrad und zu Fuß. Sie wird landwirtschaftlich bewirtschaftet, die Wege und Straßen sind mit Bäumen und Hecken umsäumt, die im Innern der Insel einen hervorragenden Windschutz bieten.

Venö ist eine Perle, auch wenn die pazifische Auster seid ungefähr 10 Jahren zunehmend die Limfjord-Auster verdrängt, da hier die Wassertemperaturen gestiegen sind. Der Klimawandel macht sich auch in solchen Details bemerkbar. Aber rein ästhetisch betrachtet: Wir haben am wilden Nordstrand die phantasievollsten Gebilde der pazifischen Auster gefunden, echte Kunstwerke.

Zu unserer Wanderung mit viel Sonne und Wind gehörten auch windgeschützte Stellen am Strand, gewürdigt mit Picknick und Teestunde.

Norwegen muss warten

Schon seit ein paar Tagen hatten wir in Zweifel gezogen, ob es noch sinnvoll wäre, nach Norwegen zu segeln. Dieser Sommer ist einfach zu speziell, wir sind spät dran und die Temperaturen liegen schon jetzt immer unter dem monatlichen Durchschnitt, die Windspitzen hingegen darüber.

Nun ist uns klar: Norwegen muss warten. Mein Skipper wäre gerne zumindest rund Skagen gefahren, „dem Hoorn des kleinen Mannes“, wie er halb spöttisch meinte. Ich bin aber 1. kein Mann, 2. mit einen Meter vierundsiebzig nicht klein und bekam 3. nicht die Horrorvision aus dem Kopf: lausige Temperaturen, zu viel Wind, der auch noch von hinten, (das hieße, wir müssten immer das Schott vor die Luke machen, unsere Sprayhood würde keinen Schutz bieten) und das Ganze natürlich noch während der Nachtfahrt besonders heftig. Mein Skipper gab nach. Das rechne ich ihm hoch an, denn ihn hätte es schon noch gereizt, sich auf so ein hardcore segeln einzulassen. Unser neuer Plan: auf in die schwedischen Westschären – und dann weiter sehen. Freunde haben uns eine CD geschenkt mit Liedern über das Meer und das Segeln. Der Refrain eines Songs heisst: „Sail on, sail on, Sailor!“Genau! Also möglichst schnell zurück durch den Limfjord in die Ostsee und über Läsö nach Schweden.

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