Vom Limfjord in die schwedischen Schären

von emaloca / am 19.08.2017 / in Allgemein
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(9-2017) Auf zu den Westschären vor Göteborg lautet unser neues Motto. So langsam wir durch den Limfjord hingetingelt sind Richtung Thyborön, dem Zugangshafen zur Nordsee, so schnell segelten wir nun zurück in die Ostsee.

Admiral an Bord

Von Venö über Lingöre nach Aalborg, dort an der Kaimauer festgemacht und schnell die Kuchenbude aufgebaut. Dann fing es auch schon zu regnen. Die Schauerböen waren so heftig, dass der Regen waagerecht an die Kuchenbude klatschte, das Ganze untermalt mit Blitz und Donner. Irgendwann hatte ich genug. Mitten ins Regengetrommel begann ich eine Art Schreitherapie und verfluchte den Wettergott so laut ich konnte – das Wetter war lauter. Ich legte mich in die Koje, zog mir die Decke über den Kopf und schlief fest bis zum nächsten Morgen.

Weltuntergangsstimmung in Aalborg um 20 Uhr

Die Brücke öffnet nur für uns – Nachsaison

Mein Skipper gestand mir beim Frühstück, dass er aus Sorge um mich überlegt hatte, mir Rum einzuflößen. Aber immerhin: der Regen war vorbei, die Sonne ließ sich erst schüchtern, dann immer mehr blicken. Ich hatten den Wettergott offensichtlich beeindruckt, denn ein schöner Segeltag brachte uns zurück in die Ostsee.

Ein traumhafter Ankerplatz

Und es kam noch besser! Er ließ uns einen der schönsten Ankerplätze, direkt neben der Einfahrt in den Limfjord bei Egense genießen. Wir kaperten wieder einmal eine freie Mooringboje. Dieser Traumplatz gibt einem das Gefühl, mitten in der Ostsee zu liegen, ist dabei aber geschützt durch flache Sandbänke, die Schwell und Brandung abhalten – ein Paradies für Seehunde und Vögel.

Sonnenuntergang

Abendstimmung an der Mooringboje

Kaum Wind, dafür Sonne, das blaue, pastellfarbene Licht des Nordens, dazu ein gutes Glas Wein…. ein Tag um die Seele baumeln zu lassen. Denn Kneipp-Kur-Tage hatten wir nun wahrlich schon reichlich. Während der Nacht bis zum Morgen war der Wind völlig eingeschlafen. Uns weckte kurz nach 6:00 Uhr die aufgehende Sonne.

Sonnenaufgang mit Salz und Pfeffer, Richtfeuer für die Einfahrt in den Limfjord

Das Meer war glatt und ölig, ein schimmernder Spiegel. Die Temperatur im Boot 15 Grad, im Wasser 18 Grad. Da muss man einfach ein kurzes Bad in der Ostsee genießen und danach in Ruhe frühstücken!

Baden in der Morgenstimmung

Wie oft haben wir solche Situationen bei früheren Segeltörns schon erlebt. Dieses Mal sind sie sehr rar und daher besonders kostbar.

Wir legten unter Segeln ab, denn wir wollten den Zauber des Morgens nicht durch Motorenlärm zerstören.

Wind kam auf und ein weiterer herrlicher Segeltag mit Halbwind und wenig Welle brachte uns nach Läsö, einer Insel mitten im Kattegat, für uns das Absprungbrett nach Schweden. Abends im Hafen Vesterö gab es dann noch einmal eine Wettervorführung wie in Aaalborg, allerdings mit etwas weniger Dramatik.

Erster Eindruck von den Schären

Um 8:00 Uhr hieß es Leinen los. Der Wind, erst nur ein Hauch, entwickelte sich zu einer guten Segelbrise, die Sonne schien und schon um 13:00 Uhr sahen wir schwach am Horizont die schwedische Westküste. Bis zur Küste ist die einzige navigatorische Herausforderung nicht mitten im Kattegat auf eine Untiefe von einem Meter (!!!) aufzulaufen und das Hauptfahrwasser nach Skagen mit dichtem Schiffsverkehr zu queren. Um drei Uhr fuhren wir mit gereffter Genua und trotzdem fast 7 Knoten in den Schärengarten ein.

Erster Eindruck von den Schären

Und hier wird es kniffelig. Bei Wassertiefen von 25 Metern bricht sich fast neben der Fahrrinne die Brandung an Felsbuckeln. Die Schären bilden ein wahres Insellabyrinth. Wir sind aufgeregt und fasziniert zugleich. Wir legen im Hafen auf der Schäre Vrängö kurz vor Göteborg an. Ist das schön hier!

NACHTRAG: Während ich den Text schreibe, fällt eine Gewitterzelle über uns her. Sie bringt nicht nur Wind in Spitzen von 15 m/sec und Regen, sondern auch haselnussgroße Hagelkörner mit sich. Als es vorbei ist, wirft mir ein Schwede von seinem Boot einen Schneeball zu : „Für deinen Whisky!“ Wir lachen. Jetzt scheint schon wieder die Sonne, aber es donnert noch.

Hagelkörner auf dem Deck am 19. August!

5 Kommentare

  • Christine Pohlmann says:

    Hallo vom Finnenberghof!
    Ihr macht echt was mit wettermäßig! Heute hatte ich mal etwas Zeit zum Lesen ;-). Wir haben hier auch ständigen Wetterwechsel, die Bohnen faulen munter vor sich hin.. Die Waschbären haben sich unseren Zuckermais einverleibt, nächstes Jahr verzichten wir auf diese Leckerei ;-).
    Ich wünsche euch weiter frohen Mut und natürlich mehr Sonne!
    Liebe Grüße Tine

    • Anke und Gerd von der Emaloca says:

      Hier auf der Schäre gibt es keine Waschbären. Dafür ist die Erdkrume so dünn, dass wir weder Zuckermais noch Bohnen gesichtet haben. Und nur Felsrn, Fischer und keine Biobauern. Aber schön isses hier.

  • Ruth Schwarz says:

    Hallo Anke und Gerd,
    wir haben gerade eure schönen Fotos gesehen und die
    Berichte dazu gelesen. Hört sich abenteuerlich an. Etwas mehr Wärme würde euch und uns schon gut tun. Sylt zeigt ebenfalls ein stürmisches und wechselhaftes Gesicht. Wir fahren viel Fahrrad und kämpfen mit der Brandung. Macht Spaß.
    Wir wünschen euch noch schöne Tage mit vielen neuen Eindrücken und guten Segelbedingungen.
    Liebe Grüße Ruth und Hans

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