Enge Fahrwasser und Geisterstädte

von emaloca / am 07.09.2017 / in Allgemein
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(13-2017) Neben navigatorischen Herausforderungen, engen Fahrwassern und hohen Steilwänden als Begrenzung, können wir von Chinesen berichten, die auf Ingrid Bergmann stehen und Schweizern, die vielleicht besser klettern als segeln können.

Die schwedische Westküste lässt sich sowohl außerhalb der Schären, als auch im geschützten Binnenfahrwasser ersegeln. Letztere wählten wir für unseren Törn weiter in den Norden. Hier taucht man am besten in die Schärenwelt ein, die damit verbundenen navigatorischen Abenteuer gibt es gratis dazu.

Das Fahrwasser ist an manchen Stellen sehr schmal, oft ist mit dem Auge erst sehr spät zu erkennen, wo es überhaupt weitergeht. Unser Respekt für die Segelboote, die vor Plotterzeiten oder noch früher, zu Zeiten der ungenauen Seekarten, sich dort zurechtgefunden haben, ist enorm gestiegen. Ich habe mehr als einmal tief durchgeatmet, trotz elektronischer Seekarte.

David gegen Goliath

Im Außenfahrwasser vor Smögen segelten wir unter Genua Richtung Sotenkanal. Im schon engen Fahrwasser mit noch erheblicher Welle aus dem Skagerrak fuhr vor uns ein großes, neues Schweizer Segelboot, ebenfalls unter Genua. Doch irgendetwas konnte nicht stimmen. Ich war am Ruder: „Gerd, sind wir etwa schneller als die? Das kann doch nicht sein!“ Unglaublich aber wahr: langsam aber sicher holten wir das Boot ein. Die Schweizer blickten sich mehrfach um, der Skipper lief nach vorn, guckte an seiner Genua hoch und runter – zwecklos, sie hatten gegen uns keine Chance.

Das Haus steht nicht in der Schweiz, sieht nur so aus.

Unser Überholmanöver war ganz schön kniffelig, lugten doch sowohl an Steuer- als auch an Backbord fiese kleine Schären aus dem Wasser – oder Felsen eben gerade unter der Oberfläche. Den Schweizern mit ihrem nagelneuen 55 Fuß-Boot, bei dem alles mit Knopfdruck zu regeln ist – kein Kurbeln an der Winsch, kein Überholen des Segels per Hand – blieb nichts anderes übrig, als unser freundliches Winken zu erwidern, während wir mit unserer 31 Fuß kleinen, nicht mehr ganz jungen, noch per „Hand“ zu segelnden Emaloca, mit stolz geschwellter Seglerbrust an ihnen vorbeizogen. Mein Skipper vergrößerte unseren Vorsprung noch, indem er jeden Winddreher nachtrimmte.

Der Sotenkanal, Hamburgsund, Havestensund, Möllesund und mehr

Der Sotenkanal ist ein 6 Kilometer langer künstlich angelegter Wasserweg, entstanden aus einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in den 30er Jahren. Er ist an einigen Stellen so eng, dass eine Begegnung zweier Schiffe nicht möglich ist und knifflige Ausweich- und Wartemanöver zu fahren sind.

Besonders im Bereich der Drehbrücke, die ein Wärter nach Schallsignalen in Bewegung setzt, (wenn er sie denn in der Nachsaison hört) ist es eng. Teilweise ist Emaloca von steilen Felswänden eingerahmt, dazwischen gibt es Wiesen, die eher an eine Alm denken lassen. Dann kommen wieder Stellen, an denen noch große, behauene Steinklötze liegen, Überbleibsel aufgegebener privater Steinbrüche aus vergangenen Zeiten.

Die zahlreichen Sunde bieten immer grandiose Uferpassagen mit markanten Steilwänden, lauschigen Ankerplätzen, geschützten Häfen und kleinen Siedlungen in typischer, schwedischer Bauweise. Wir konnten uns gar nicht satt sehen und fielen am Abend immer randvoll mit für uns einzigartigen Eindrücken in die Koje. Es war uns unmöglich noch in einem Buch zu lesen.

Nachsaison macht Geisterstädte

Schon ab Mitte August mit dem Beginn der Schule sterben schwedische Küstenorte schlagartig aus. Fjällbacka wäre auch so ein Ort gewesen, wenn nicht plötzlich eine große, bunt gekleidete Gruppe die Straße entlang gekommen wäre. Ein Umzug? Nein, eine chinesische Reisegruppe in bunten Regenjacken schwärmte fotografierend durch die pittoresken Straßen.

Sie lichteten auch die kleine Fotoausstellung über Ingrid Bergmann ab („Schau mir in die Augen, Kleines“). Die Bergmann hatte auf einer Schäre vor Fjällbacka ein Sommerhaus. Wir trafen 3 kleine Chinesinnen an unserem Steg, die sich gegenseitig fotografierten. Als mein Skipper ihnen freundlich bedeutete, ob er von allen zusammen ein Foto machen sollte, nickten sie hocherfreut. Aber dann wurde ich sofort rechts und links eingehakt und werde nun irgendwann in China als große schwedische Frau präsentiert werden.

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