Die Koster-Inseln – zu Recht gepriesen

von emaloca / am 11.09.2017 / in Allgemein
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(14-2017) Wie oft hatten wir den Tipp bekommen, ihr müsst noch unbedingt zu den Koster-Inseln fahren, die sind etwas ganz besonderes. Unsere Reaktion: wir sind doch schon so hin- und weg von unseren bisherigen Schäreneindrücken, ja was soll denn da noch beeindruckender werden. Doch in der Tat: die Inseln sind wirklich eine Reise wert. Das finden offensichtlich auch viele Norweger. Aber wir überstanden sogar noch eine geräucherte Auster.

Vorbemerkung:

Wir stellen den nachfolgenden Bericht auf unsere Seite, während wir auf für uns günstiges Wetter warten, um nach Süden Richtung Heimathafen zu segeln. Seit Tagen regnet es und/oder es ist zu viel Wind und der kommt aus Süden, oder es ist gar kein Wind. Genug Zeit also, zu schreiben, das Boot auf zu klarieren und Bücher zu lesen.

Nord-Koster

Nord-Koster ist von der Insel Süd-Koster durch einen befahrbaren Sund getrennt und zu Fuß zu entdecken. Es gibt Abschnitte, da fällt einem die Bretagne ein, dann wieder denkt man an die kroatische Küste.

Glatt geschliffene Steinbuckel wechseln sich ab mit großen Geröllfeldern, malerische Buchten mit Sandstränden im Wechsel mit schroffen Felsküsten, im Innern der Insel Waldgebiete und Heideflächen. Flora und Fauna sind artenreich, vor uns schlängelte eine Ringelnatter über den Weg, die wir beim Sonnenbad gestört hatten.

Norwegische Invasion

Norwegen ist so nah, dass ich per Handy die Nachricht bekam: „Willkommen in Norwegen!“ Viele Norweger hatten wir schon im Hafen von Strömstad gesehen – der erste größere Ort nahe der Grenze und, was am Wichtigsten ist, dort gibt es zwei Systembollaget. Nur in diesen staatlichen Läden kann in Schweden Alkohol gekauft werden – für unsere Verhältnisse teuer, für norwegische Verhältnisse spottbillig. Die Norweger kamen zumeist mit Motorbooten in einer Preisklasse von ein paar Hundertausend Euro. Dann packten sie ein Klapprad oder einen „Hackenporsche“ aus und ab ging es zum Systembollaget um z.B. palettenweise Dosenbier und Weinschläuche zu bunkern. Irgendwo muss man ja anfangen zu sparen, dachten wir uns verwundert. Auch Lebensmittel oder Kleidung ist in Schweden für sie viel günstiger. „Die Norweger machen die Preise kaputt, sie kaufen hier die Häuser auf. Die Einheimischen können sie nicht mehr bezahlen.“ Diese Klagen hörten wir häufiger von Schweden.

Strömstad bei Nacht,Beleuchtung täuscht Nachtleben vor…

So richtig hautnah rückten uns die Norweger auf Nordkoster auf die Pelle. Wir kamen morgens dort an, sahen einen gemütlichen, leeren Hafen im Kostersund mit einer urigen Kneipe namens Strandkanten und legten spontan an. Nur ein norwegisches Boot lag auch längsseits am Steg. Der Skipper verwies uns gleich ans Stegenende, alles andere sei reserviert. Dort liegen wir wegen der freien Rundumblicke sowieso immer gerne. Es schien allerdings eine Privatreservierung von ihm zu sein, denn eine Leine fast den ganzen Steg entlang war von seinem Boot aus an einen Stuhl gebunden. Als zwei schwedische Segelboote anlegen wollten, wies er sie hartnäckig ab. Ein Streit entspann sich zwischen dem Schweden und dem Norweger, weil der Schwede wohl zu Recht nicht an eine offizielle Reservierung glauben wollte. Schließlich fuhr er aber doch weiter, nachdem er sich bei meinem Skipper ausführlich über die Norweger beschwert hatte, die hier immer alles besetzten und sich unmöglich aufführten.

Fantastische Insel – mit schlafloser Nach bezahlt

Wir zogen zu Fuß los, erwanderten die Insel Nord-Koster, genossen ein erfrischendes Bad in der Ostsee und kamen erst Stunden später in den Hafen zurück.

Dieser war inzwischen rappelvoll mit Norwegern, die schon im Dreier-, Vierer- und Fünferpäckchen lagen. Nur an unserem Boot hatte noch keiner festgemacht, wir waren für sie wohl einfach zu klein, die Hemmschwelle zu groß. Vor uns lagen zwei Boote, die uns kräftig mit Country- und Westernmusik beschallten, die Besatzung tat sich an Bier und Rotwein genüsslich. Mein Gedanke, der sich leider als Irrtum erwies, war: „Wenn die schon Nachmittags anfangen, dann sind sie abends eher fertig. Also ruhig bleiben, abwarten und Tee trinken.“ Wir hörten geduldig ihre Musik an, während immer mehr norwegische Boote ankamen. Ich winkte jedem schwedischen Segelboot zu, in der Hoffnung, es würde sich bei uns ans Päckchen legen. Sie blickten alle stoisch nach vorn und fuhren weiter – später wussten wir, warum!

Spazieren gehen entspannt. So machten wir uns wieder auf zum alten Lotsenhäuschen und bewunderten den Rundblick über die Schären und die untergehende Sonne. Als wir zurückkamen, lag ein norwegisches Motorboot von der kleineren Sorte an Emaloca, die Crew war nicht zu sehen. Die meisten Norweger hatten sich in die urige Kneipe verzogen und versuchten sich in Gröl-Gesängen. Ich befürchtete das Schlimmste. Wenigstens war die Country-Musik vor uns verklungen. Die Motorbootleute kamen aber schon um 10 Uhr zurück. Große Erleichterung. Wir gingen schlafen, bis dann irgendwann wieder die Country- und Westernmusik anfing, in Disco-Lautstärke, die die beiden Boote vor uns abwechselnd auflegten.

Der Eingang vor der Kneipe sah so urig aus.

Mein Skipper brüllte irgendwann etwas von „Please, respect“ und so weiter, natürlich mit der Folge, dass die Musik noch lauter gestellt wurde. Manchmal erschallte sie von beiden Booten gleichzeitig, bis dann Einigung über das zu hörende Stück hergestellt war. Die anderen Boote hatten damit offensichtlich keine Probleme.

Ich werde die Rachefantasien, die wir in den nächsten Stunden entwickelten, hier lieber nicht wiedergeben. Es sei nur kurz gesagt: wir führten keine aus, beschlossen, uns nicht auf dieses Niveau zu begeben und legten am nächsten Morgen ab. Die Motorbootcrew, die an unserem Boot festgemacht hatte, war sehr freundlich und schien sich für ihre Landsleute vor uns zu schämen. Eigentlich wollte ich nur weg von den Koster-Inseln, aber das wäre ein großer Fehler gewesen. Mein Skipper überzeugte mich, eine ruhige Schäre zu suchen und dort zu bleiben – zum Glück, denn sonst hätten wir die Schärenzauberwelt von Süd-Koster nicht kennen gelernt.

Süd-Koster

Um Süd-Koster erstreckt sich ein Schärengarten mit einem kaum zu beschreibendem Zauber. Wir fanden einen traumhaften Liegeplatz an einer Schäre. Als wir uns langsam näherten sah ich, dass schon zwei Segelboote in der Nähe lagen. Schwedische Flaggen – große Erleichterung, denn so ganz hatten wir, übermüdet wie wir waren, unsere Vorurteile gegenüber Norwegern noch nicht abgebaut.

Die Schweden riefen uns zu, wo es gut wäre festzumachen und versprachen uns eine wundervolle, ruhige Nacht.

Es war unser schönster Liegeplatz in den Schären, die Sonne schien, die Felsen hielten ihre Wärme bis spät gefangen. Ein herrlicher Spätsommertag – und das am 2. September. Wir paddelten in die Zauberwelt, manchmal gerieten wir in eine Sackgasse, dann wieder kamen wir mit unserem Kanu gerade soeben zwischen den Felsen hindurch.

Teilweise war das Wasser so flach und ich sah Austern: „Guck mal, die pazifischen Austern wie im Limfjord. Die könnte man jetzt sammeln und essen, wenn man wollte. Aber wer will das schon! Bäh!“ Wir trafen auf unserer Paddeltour die zwei Schweden, die sich auch mit ihrem Dingi aufgemacht hatten und sie zeigten uns: eine Handvoll Austern, die sie frisch gesammelt hatten. Hier hießen sie aber „japanische Austern“.

Geräucherte Auster als Delikatesse?

In einem Edelrestaurant kostet so ein Ding garantiert eine Unsumme und die beiden Schweden hatten nicht viel Austern gesammelt, es war also eine richtig großzügige Geste von ihnen gewesen. Wir beschlossen uns zu revanchieren, packten unsere Calvadosflasche und 4 Gläser ein und paddelten in der Abenddämmerung zu ihnen hinüber. Wir wurden an Bord des wunderschönen Holzbootes geladen, gebaut nach einem ganz frühen Riss von Ole Enderlein und stießen auf das Leben an.

Natürlich kam die Frage, wie denn die Auster geschmeckt hätte. “Die ist ganz schön mächtig, nach einer bin ich satt,“ druckste ich vorsichtig. „Also, wenn ich die als Hauptgericht esse, kann ich 20 Stück davon vertragen,“ erklärte der eine Schwede erstaunt. Er war von Beruf Koch, der auch schon in Paris gearbeitet hatte. Diese Aussage ließ mich sofort wieder zur Calvadosflasche greifen.

Es wurde ein angeregter Abend. Natürlich tauschten wir Segelgeschichten aus. Wir diskutierten aber auch über Europa, die Kriege in der Welt und die Aufnahme von Migranten. Sie hatten unsere Europaflagge wahrgenommen. Der ältere Schwede meinte, das wäre eine gute Idee, er wolle sich auch eine kaufen. Natürlich kam das Gespräch auch auf das Verhältnis zwischen Schweden und Norwegern oder die Verrücktheiten von Donald Trump zu sprechen und der Austernschwede fasste zusammen: „Assholes live everywhere, not only in one special country.“ Darin waren wir uns absolut einig. Stunden später paddelten wir zu unserer im Mondlicht wartenden Emaloca zurück.

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