Schärenkonstrastprogramm Stockholm

von emaloca / am 07.07.2018 / in Allgemein
0

(9-2018) Es ist unmöglich, nach 3 Tagen eine große Stadt wie Stockholm mit fast 2 Millionen Einwohnern objektiv zu beschreiben. Fasziniert hat sie uns, die Menschen wirken entspannt, genießen jeden Sonnenstrahl und die Möglichkeit sich draußen aufzuhalten. Hier unsere Eindrücke.

Der erste Eindruck von Emaloca aus – im Cockpit unter der Brücke sitzend: auf dem Wasser ist viel los, alles wuselt durcheinander aber alle kommen miteinander klar. Der zweite Eindruck am nächsten Morgen, kaum dass wir ein paar Minuten mit dem Fahrrad unterwegs sind: ein Gedränge aus hauptsächlich asiatischen Touristen, die soeben Bussen entstiegen sind – als Gegensatz dazu vor einer Mauer 4 meditierende Menschen. Sie werden von den Touristen mit keinem Blick gewürdigt, denn gilt schnell das Stadthuset (hier findet das Festbankett anlässlich der Nobelpreisverleihung statt) zu fotografieren, bevor das nächste Highlight angefahren wird.

Wir lassen uns mit unseren Fahrrädern treiben und landen – dann zu Fuß – in der Gamla Stan, der Altstadt von Stockholm. Hier scheint alles auf Touristen zugeschnitten, Souvenirläden ohne Ende, Boutiquen und ‚Fresstempeln‘. Wir sind überfordert, schwingen uns auf die Fahrräder und weiter geht’s.

Eine Saluthalle, in der es verschiedene Essensangebote und Leckereien gibt, kommt uns gerade recht, denn es ist inzwischen Mittagszeit. Wir laufen dort so lange die Stände ab, bis alle Plätze besetzt sind – nur bei der Edelgastronomie mit Hummer, Champagner usw. ist noch was frei – nicht so ganz unsere Vorstellung von einem einfachen Mittagsimbiss. Wir fahren weiter, kommen durch ein Edelviertel – könnten hier z.B. Taschen von Louis Vuitton kaufen, aber auch das wollen wir nicht. Uns wird wieder bewusst: Wir leben in einer Kleinstadt von nicht mal 20.000 Einwohnern, da ist es wirklich nicht so einfach, plötzlich auf Großstadt umzuschalten – schon gar nicht, wenn man zuvor wochenlang durch die ruhige Schärenwelt getingelt ist.

Das Segelschiff Vasa – wenn Großmannsucht über Sachverstand siegt

Vor dem Vasa-Museum können wir durchatmen. In einem modernen Glaspavillon finden wir Infomaterial über Stockholm und es gibt bezahlbares und dazu noch ein schmeckendes ‚Tagesretter‘-Angebot.

1628 ließ König Gustav Adolf die Vasa bauen. Es sollte das größte Kriegsschiff der schwedischen Flotte sein, alle Welt und alle Feinde beeindrucken. 1000 Eichen wurden verbaut, nicht nur pompöse Schnitzereien und Verzierungen angebracht, nein, es musste auch noch ein zweites Kanonendeck her. So wurde aus der Vasa ein prächtiges, sehr, sehr hohes Schiff, das auf seiner Jungfernfahrt schon nach 1500 Metern vor Stockholm und vor etlichen Menschen, die sich dieses große Ereignis nicht entgehen lassen wollten, sank. Ein Windstoß hatte das Schiff auf die Seite gelegt, die Kanonendecks waren offen, das Schiff lief voll Wasser und konnte sich nicht mehr aufrichten, denn Proportionen und Balastverteilung passten überhaupt nicht zusammen.

333 Jahre lag die Vasa in 32 Meter Wassertiefe, bis eine jahrzehntelang dauernde Bergung und Restaurierung begann. Nun ist das imposante Schiff im Museum zu besichtigen. Wir finden, ein Besuch lohnt sich, weil neben der Vasa auch viele Informationen über den Bau, die gesellschaftlichen Zustände der damaligen Zeit und die Restaurierung anschaulich und spannend aufgearbeitet sind.

Sinne verwirren lassen im Fotografiemuseum – Fotografiska

Dieses Museum war für uns eine echte Entdeckung. Ausstellungen von 7 verschiedenen Künstlern zeigten sehr unterschiedliche Arten fotografisch zu arbeiten. Angefangen von malerischen und scheinbar aus dem vorletzten Jahrhundert stammenden Modeaufnahmen (Cathleen Naundorf), über Tierfotografien, die durch computertechnische Veränderungen ins Irreale gerückt wurden (Simen Johan) bis hin zu Aufnahmen mit gestellten, surreale Situationen (Evelyn Benicova). Die Ausstellung von Linda und Mary McCartney hat uns vom Fotografieansatz nicht so in den Bann gezogen, sehr wohl aber von den Motiven. Zu sehen sind Fotos vom jungen Mick Jagger, Jimmy Hendricks, Paul McCartney oder Familienaufnahmen von den McCartneys.

Das Nobel-Museum

Meinem Skipper hat das Museum über den Stifter des gleichnamigen Preises und über die Preisträger ganz gut gefallen. Mir war es etwas zu glatt gebügelt. Immerhin hat der gute Herr Nobel das Dynamit entwickelt. Bei den in der Ausstellung hervorgehobenen Preisträgern sind ausgesprochen viele Frauen, das ist anzuzweifeln. Wikipedia gibt mir recht: Bis einschließlich 2011 erhielten 784 Männer, 20 Organisationen und 43 Frauen den Preis. Ein neues Museum ist in Bau, vielleicht hat das ja ein paar mehr Ecken und Kanten.

 

Djurvikenpark – wo ist die Großstadt geblieben?

Wir radelten auch noch durch den Djurvikenpark, eine grüne Oase in der Metropole. Hier finden sich uralte Eichenwälder mit eingesprengselten Schlossanlagen, Ausstellungspalais und kleinen Cafes. Eine Gegend zum Durchatmen.

Mit dem Segelboot durch Stockholm

Die Brücke nach der Schleuse schließt sich – die Ostsee hat uns wieder

Am 4. Tag fuhren wir weiter. Auf dem Wasserweg Stockholm querend bekamen wir noch einmal Einblicke vom großstädtischen Leben am Wasser. Durch Kanäle und eine Schleuse gelangten wir wieder zurück in die Ostsee. Jetzt sind wir auf den finnischen Ǻlandinseln, dem nördlichsten Punkt unserer Reise.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.