Polnische Etappen

von emaloca am 02.07.2015 / in Allgemein
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(2 von 12) 27.6-29.6.15: Fehmarn-Darlowo, 199 Seemeilen, 30.6.15: Darlowo-Ustka, 54 Seemeilen, 01.07.15: Ustka-Leba, 37 Seemeilen.Wir warten auf den richtigen Wind !

Das kleine Hafenstädtchen Darlowo hieß früher einmal Rügenwald. Hier soll die Teewurst erfunden worden sein. Wir halten uns eher an fangfrischen Fisch. Absolut lecker. Das ganze Hafengebiet ist im Umbruch, noch viele kleine Fischerboote, eine kleine Werft, daneben ein Schrottplatz, wir hören den Rhythmus einer Ramme, die Spundwände setzt, von der anderen Seite schallt die Vergnügungsmusik einer Sommerkirmes herüber. In einem kleinen Fischereihafen gibt es ein paar Liegeplätze für Segelboote. Die Sanitäranlagen der kleinen Marina sind niegelnagelneu. Entlang des Flusses Wieprza (dt. Wipper) führt eine endlos lange neue Promenade mit Sportgeräten wie in einer Muckibude und zahlreichen Bänken aber kaum Prominierenden zum Ort. An der Kaimauer könnten zahlreiche Boote festmachen, aber wo sind sie? Wir fragen uns, für welche Menschenmassen diese Anlagen gedacht sind. Am Ende der Promenade ein riesiges Schild, aus dem ersichtlich wird, dass Mittel aus der EU hier verbaut werden. Ein Ort im Umbruch.

darlowo-1

Erinnerungen an Orte in Ostdeutschland, kurz nach der Wende werden wach. Viel Reichtum ist hier (noch?) nicht zu sehen. Mir wird bei dem kurzen Stadtbummel wieder bewusst, in welchem reichen Land wir leben. Die vielen Fischer, die im Hafen liegen und dort ihren Fang verkaufen wollen, sehen müde aus. Ihnen steht die harte Arbeit für wenig Geld ins Gesicht geschrieben.

Schießgebiete bringen Seemeilen

30.06.15 Am nächsten Morgen segeln wir weiter. Achterlicher Wind und Welle – ein Kurs, den ich gar nicht mag, das Boot geigt durch die Gegend, passt man beim Steuer nicht höllisch auf, knallen die Segel. Bei Darlowo liegt ein riesiges Schießgebiet, das wir umfahren müssen. Wäre der direkte Weg bis zum nächsten Hafen nach Ustka gut 20 Seemeilen, so müssen wir 54 Seemeilen segeln. Sicherlich nicht der wichtigste, aber doch ein klitzekleiner weiterer Grund für den Weltfrieden zu sein. Im Übrigen haben wir keinen einzigen Schuss vernommen. Wir erfahren später, warum nicht.

ustka

Abends kommen wir in Ustka, das früher einmal Stolpe hieß, an. Laut Hafenhandbuch ist es ein frühmittelalterliches kaschubisches Fischerdorf, in dem im August Meisterschaften im Bernstein-Waschen stattfinden! Letzteres können wir uns in etwa vorstellen, aber wer oder was kaschubisch ist/war – keine Ahnung.
Schießgebiete können aber auch Ärger bringen

Im Vorhafen eine Überraschung: da versperrt eine Fußgängerbrücke den Weg. Die muss neu sein, denn wir haben davon in keinem Hafenhandbuch etwas gelesen. Es klappt aber glücklicherweise, den Hafenmeister anzufunken, der die Brücke für uns öffnet. Wir finden Platz am Stadtkai, den uns der überaus freundliche Hafenmeister zuweist. Vor uns liegt eine deutsche Yacht, mit Schwaben besetzt. Sie erzählen uns, dass sie auch von Darlowo kommen und schon seit dem Mittag in Ustka sind. Wie das? Sie sind mitten durch das Schießgebiet gesegelt, hatten gar nicht gelesen, dass es gesperrt war. Wer hätte das von den braven Schwaben gedacht? Hier im Hafen wurden sie dann von der Militärpolizei empfangen und in deren Büro zitiert. Die Polizei hatte wohl mehrfach vergeblich versucht, sie anzufunken. Sie erhielten eine deutliche Ermahnung und waren froh, ohne Strafe davongekommen zu sein.

Auch in Ustka überall Baumaßnahmen, auch hier ein Umbruch, der aber wie ein Aufbruch wirkt, zu bemerken. Eine Marina ist in Bau. Noch liegt man am Stadtkai und kann in einem Hotel die Toilette benutzen. Die Häuser an der Kaipromenade werden gerade alle renoviert und sind noch nicht wieder bewohnt. Gern hätte ich noch Zeit hier verbracht. Aber unser Ziel für diesen Urlaub heißt Klaipeda und die Windprognose ist mau. So entschließen wir uns weiter zu segeln nach Leba.

segelboot

Der nächste Segelsommer steht fest

01.07.2015 eine leichte Brise bringt uns entlang der wunderschönen polnischen Ostseeküste vorbei an dem Slowinski Nationalpark nach Leba. (Im hinter uns liegenden Schießgebiet wird wieder geschossen, keine Schwaben mehr…,) Zeitweise hilft uns Strom, der unsere Fahrt von 3 Knoten auf 4 Knoten beschleunigt. So sind wir immerhin doppelt so schnell wie ein Fußgänger. Während wir frühstücken und frische polnische Kirschen naschen, genießen wir den Blick auf die bewaldete Steilküste, aus der immer wieder Sandwälle hervorzuquellen scheinen. Und- kaum zu glauben, wir sichten ein Segelboot auf der leeren, stahlblauen Ostsee. Ich melde schon jetzt bei meinem Skipper an: den nächsten Segelsommer werden wir entlang der polnischen Küste verbringen. Er widerspricht nicht!

Polnische Kueste

2 Kommentare

  • Paul says:

    hallo Crew, vielen Dank für die Berichte und vor allem die Karte damit man sehen kann welchen Kurs Ihr segelt. Es ist wirklich lebendig geschrieben (Anke!). da habt Ihr aber schon ein großes Stück des Törns geschafft, trotz lauer Winde. ich sehe in der Wetterkarte immer nur ein riesiges Hoch über der gesamten Ostsee. Na ja, gutes Sommerwetter ist aber auch ganz schön.bei mir in Frankfurt ist es jetzt 21.30 h und es sind noch immer 31 Grad. Zu arbeiten fällt einem wirklich sehr schwer. Seid froh auf Eure frische Luft! Weiterhin gute Fahrt und lasst wieder etwas lesen. Ahoi Paul

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