Leba – Nida: eine zauberhafte Überfahrt

von emaloca am 08.07.2015 / in Allgemein
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(4 von 12) Rio Reiser hat so schön gesungen: „Tag für Tag weht an uns vorbei, dreht das Boot in den Wind.“ Am Donnerstag den 2.7.15 heißt es in einer Blitzentscheidung um 19:45 Uhr „Leinen los“ Richtung Klaipeda.

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Wir müssen zunächst aufkreuzen, da wir nur Kurs 0°, d.h. Richtung Norden fahren können, und nicht 65° wie angepeilt. Aber die Windvorhersage stimmt und langsam dreht der Wind und bringt uns auf den richtigen Kurs. Noch begleitet uns die polnische Außenküste in der Abendstimmung. Wir verputzen den zuvor gekauften Räuscherfisch. Als Nachtisch gibt es ein fantastisches Naturschauspiel. Die Sonne versinkt langsam und färbt den Horizont und das Meer kupferfarben. Gegenüber erhebt sich gleichzeitig ein fahler runder Mond. Je mehr die Sonne glühend versinkt, desto heller fängt er an zu leuchten. Nur ein paar Abendsternen gelingt es, dagegen anzustrahlen.

mond

Doch Schiffe auf der Ostsee

Ich habe erst wieder im Morgengrauen Wache. Mein Skipper erzählt von viel Schiffsverkehr, der in die Danziger Bucht einläuft. Das bietet Gelegenheit, die theoretischen Kenntnisse zur Lichterführung in der Praxis anzuwenden: Fischende Trawler, kreuzende Kurse mit Großschifffahrt sind auszumachen. Unsere Tracklinie sieht entsprechend zackig aus.

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Bis zum Nachmittag segelt Emaloca zwischen 3 und 4,5 Knoten bei Ost-Südost, Windstärke 3 ruhig am Wind daher. Beim Amwind-Kurs, gut eingetrimmt,  hat sie anscheinend eine Selbststeueranlage, stundenlang zieht sie zuverlässig ihre Bahn, ohne dass wir uns um das Steuer kümmern müssen.

Nachmittags herrscht Flaute. Natürlich fahren wir nicht unter Motor weiter. Kommt es denn darauf an, ob wir ein paar Stunden früher oder später ankommen? Nein, wir sind in einem anderen Zeit- und Raumgefühl. Wir drehen bei und schwimmen (nacheinander!) in der unendlich weit scheinenden See. Kein Land in Sicht. Das Wasser hat 18° Celsius, erste Anzeichen einer Algenblüte sind sichtbar.

4,7 Knoten bei spiegelglattem Wasser

Mit der nächsten Brise segeln wir weiter in die zweite Nacht. Ich wecke meinen Skipper um 2:00 Uhr, da  auch er einmal in den Morgen hineinsegeln möchte. Es ist die ganze Nacht nicht richtig dunkel geworden und ein messingfarbenes Licherfeld hat sich über Nord nach Nordost am Horizont entlang geschoben. Schon um 3 Uhr deutet sich das Vorspiel des Sonnenaufgangs an und das Lichterspiel wird vielfältiger.

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Wir haben 4,7 Knoten Fahrt und wissen nicht warum. Es gibt keinen Strom und das Meer ist spiegelglatt. Kurz vor Sonnenaufgang um 4 Uhr kommt auch Jürgen aus der Koje gekrochen und staunt genauso wie wir über die zauberhafte Morgenstimmung. Auch die beiden Männer grübeln nicht lange über die Frage, wieso wir so viel Fahrt im Schiff haben, obwohl das Meer fast ölig, quecksilbrig ist. Weit über eine Stunde segeln wir so dahin.

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Von Klaipeda direkt nach Nida

Allmählich lässt der Wind nach, so dass wir um 10:00 Uhr die Segel bergen und uns unter Motor der Einfahrt von Klaipeda nähern. Im Seekanal Richtung Haff ist Segeln sowieso nicht erlaubt. Wir entschließen uns, Klaipeda ‚links‘ liegen zu lassen und gleich ins Haff 30 Seemeilen weiter nach Nida zu fahren. Denn dort ist meine Verwandtschaft schon eingetroffen: Cousin Ernst und seine Angetraute Ingrid sind mit ihrem Segelboot von Schweden gekommen, mein Bruder Hans-Jürgen und meine Cousine Eka mit der Fähre von Kiel. Als wir in Nida ankommen, erwartet uns ein entsprechend großes Empfangkommitee, das behauptet, mit Zähnen und Klauen einen Liegeplatz für uns verteidigt zu haben. In der Tat, der kleine Hafen ist rappelvoll, denn Montag ist ein Nationalfeiertag, mit dem die Litauer ihre Staatsgründung Anfang des 13. Jahrhunderts feiern.

Wir haben für 161 Seemeilen gut 48 Stunden gebraucht und festgestellt, dass mit Emaloca auch bei Schwachwind ein Vorankommen möglich ist,

Schon vom Schiff aus haben wir einen überwältigenden Eindruck von Neringa, wie die kurische Nehrung auch heißt. Und je mehr wir sie dann per Land erkunden und familiäre Spurensuche betreiben, desto stärker sind wir berührt, doch davon später.

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