Die Riesin Neringa

von emaloca am 12.07.2015 / in Allgemein
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(5 von 12) Die Riesin Neringa war bei den Fischern beliebt, weil sie ihre schätzende Hand über sie hielt. Ihr Liebster Naglis wurde vom Wellengott Bangputys bedroht, weil er nicht damit einverstanden war, dass Neringa und Naglis heiraten. Da sammelte die Riesin in ihrer Schürze Unmengen von Sand, den sie vor der Küste aufschüttete.

Der Wellengott konnte toben, soviel er wollte, die Hochzeit fand hinter dem Schutzwall statt und die Fischer können seitdem im Haff fischen. Aus Dankbarkeit nannten sie den Sandwall Neringa. (Ich sitze übrigens auf einem Stuhl der Riesin.)

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Die Riesin Neringa

Jetzt sind wir schon eine gute Woche auf der kurischen Nehrung und wir sind immer noch fasziniert. Klaus Mann (oder war es Thomas?) soll einmal gesagt haben, wenn man die kurische Nehrung nicht gesehen hätte, würde einem ein Bild in der Seele fehlen. So ist es wohl. Auch Ingrid, die Angetraute meines Cousins, schon viel in der Welt herumgekommen und in anderen Ländern gelebt, sagt, dass sie die Nehrung am meisten beeindruckt.

Samstag Abend angekommen, mitten hinein in Familientrubel und Begrüßungshallo. Dennoch erklimmen mein Skipper und ich am nächsten Morgen um fünf Uhr die Düne bei Nida. Friedliche Morgenstimmung, es sind noch oder schon einige wenige Spaziergänger unterwegs. Als wir oben sind, schweift unser Blick über eine weite Dünenlandschaft. Wir können uns gar nicht satt sehen. Heller Sand, rotbräunliche Schattierungen durch lichten Gräserbewuchs, das Haff auf der einen Seite und auf der anderen Seite Kiefernwald und dahinter die Ostsee. Irgendwann reißen wir uns los von diesem Anblick und wandern zum Meer hinunter und gehen erst einmal baden. Auch hier sind vereinzelt Menschen am Strand. Drei Stunden später erreichen wir unser Boot und haben eigentlich für diesen Tag schon genug erlebt.

Baden

Doch die Verwandtschaft hat schon beschlossen, dass wir eine Fahrradtour unternehmen. Es ist übrigens wohl der heißeste Tag des Jahres und in der heißesten Zeit des Tages erklimmen wir die Dünen von Perwalka. Der Sand brennt so heiß unter den Fußsohlen, dass wir die Sandalen wieder anziehen müssen. Mir geht immer das blöde alte Lied von Freddy Quinn durch den Kopf „brennend heißer Wüstensand, so schön, schön war die Zeit“. Ohne Strohhut ‚Made in China‘ hätte ich garantiert einen Hitzschlag bekommen. Oben angekommen werden wir wieder mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt. Unglaublich, welche Formen der Wind in den Sand zaubern kann. Eine Landschaft, so abweisend und heimelig zugleich.

Zweimal fahren wir auf den russischen Teil der Nehrung, hier ist die Landschaft teilweise noch spektakulärer. (Über die anderen Unterschiede zwischen dem russischen und dem litauischen Teil schreibe ich im nächsten Blog).

Doch das, was wir als so faszinierend und schön empfinden ist auch eine Geschichte der Landschaftszerstörung durch Menschen. Ursprünglich bewaldet wurden die Wälder vom 16. Bis. 18. Jahrhundert abgeholzt. So entstanden die Wanderdünen, die so manche Dörfer verschüttet haben. Die Menschen mussten teilweise mehrfach mit ihrem wenigen Hab und Gut umziehen.

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Erste Dünensicherung nach einem Brand

Erst im 19. Jahrhundert begann man, die Dünen wieder zu bepflanzen, so dass Neringa nun zu 70% wieder bewaldet ist. Wegen dieser einzigartigen Landschaft ist die Nehrung im Jahr 2000 als Weltkulturerbe anerkannt worden.

In der Galerie seht ihr ein paar Landschaftseindrücke, einfach draufklicken.

 

 

2 Kommentare

  • Paul says:

    vielen Dank für den Bericht an die Crew. Anke, das schreibst du wirklich sehr bildhaft emotional. Sicherlich können die schönen Bilder nur einen Teil vermitteln wie es in der Wirklichkeit ist. Seit ihr eigentlich in Russland oder wo? ich bringe die Staaten dort immer durcheinander. Habt eine gute Zeit.

    • emaloca says:

      Sind in Wladyslowowo, Polen. Müssen heute aber wahrschienlich wieder ein günstiges Windfenster nutzen, um weiter nach Westen zu kommen. Überfahrt Neringa-Wladyslowowo beschreibe ich noch, war nicht nur zauberhaft.

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