Wir können weiter!

von emaloca am 24.07.2015 / in Allgemein
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(9 von 12) Wir sind gestern von Darlowo nach Kolobzreg (Kolberg) gesegelt, nicht gerade wie wir es uns vorgestellt haben, aber immerhin. Dass wir weiterkönnen haben wir Richard zu verdanken, dem besten Mechaniker und größtem Improvisationstalent Polens, wie wir ihn nennen. Er winkt bescheiden ab, sagt: „Ach nein, vielleicht von Darlowo!“ und lacht verschmitzt.

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Mein Skipper und Richard, der Künstler!

Handwerker alter Schule!

Richard kam am späten Nachmittag mit einem Schraubensatz aus seiner Werkstatt. Eine davon passt, schon mal ein Problem gelöst! Für die abgerissene Ölleitung hat er im Traktorenhandel ein Kopfstück besorgt, das noch angepasst werden muss.

Er verschwindet wieder in seine Werkstatt. Richard kommt nach einiger Zeit mit einem Schweißgerät wieder. Das erste Mal klappt es nicht, ein Tropfen von der Lötmasse hat die Ölleitung verstopft. Er sägt ein Stück ab und fährt wieder weg. Bei meinem Skipper fährt die Hoffnung langsam dahin.

Doch Richard kommt mit einem verlängertem Kopfstück wieder. Der zweite Schweißversuch gelingt, das Öl kann fließen. Richard erhitzt und biegt an dem Teil herum – mein Skipper schwitzt derweil Blut und Wasser – aber irgendwann passt alles irgendwie. Schon im Dunkeln machen wir den Probelauf, alles scheint zu halten.

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Vertieft in den alten Volvo Penta

Erlebnisse können bereichern

Was haben wir für ein Glück in dem ganzen Schlamassel! Die Crew von Finistere, das Anlegerbier schon vor Augen, fährt unseretwegen wieder in das größte Schietwetter hinein und hilft uns. Der Hafenmeister, der uns den Allerkönner Richard schickt… Es ist schon bewegend, auf solche Menschen zu treffen.

Eigentlich wollten wir mit Richard am nächsten Abend noch Essen gehen. Gerne hätten wir mehr über ihn und sein Land erfahren. Aber am nächsten Morgen weht ein für uns halbwegs günstiger Wind und um 9 Uhr heißt es Leinen los, nur 33 Seemeilen Richtung Kolobrzeg. Wir gehen davon aus, spätestens gegen 5 Uhr dort anzukommen.

„Ich kann auch anders!“

Doch wie wir uns verrechnet haben! Kaum aus dem Seekanal heraus, sagt uns die Ostsee: „Ich kann auch anders!“ Der Wind dreht plötzlich auf und kommt auch westlicher als vorhergesagt! Wir müssen sofort ein Reff in Groß machen, das wir schon im Vorhafen gesetzt hatten. Vollgerefft bolzen wir 5 oder 6 Stunden gegenan, kreuzen am Wind!  Einmal haut es sogar Herrn Nielson von seinem Sitz.  Er ist unser Beschützer, den wir von den Voreignern Irmela und Jürgen vermacht bekommen haben. Ich bin kein Angler, dessen gefangener Fisch beim Erzählen immer größer wird, aber solche Wellen hab ich beim Segeln noch nicht erlebt. Wir sehen weit und breit keine weiteren Segler, nur ein Boot kommt uns gemächlich auf Vorwind entgegen.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!

Nachmittags flaut der Wind ab. Und vor uns ist doch schon wieder so eine dunkle Wolke! Obwohl, so eine kleine Schauerböe würde uns dem Hafen vielleicht schneller entgegenbringen.

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Aber sie löst sich langsam auf und die Sonne will darunter hervorbrechen und schenkt uns später am Abend einen bezaubernden Abendhimmel. Doch noch nähern wir uns mühsam mit 2 bis maximal 3 Knoten Fahrt Kolobrzeg. Das Kielwasser kräuselt sich und wir stellen fest, dass wir auch noch einen halben Knoten Strom gegenan haben. Wie gemein ist das denn! Wir wollen den Motor möglichst wenig belasten, beißen die Zähne zusammen und segeln immer langsamer werdend weiter. Am Ende hilft uns noch einmal eine kleine Brise.

Partytime
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Unser Liegeplatz im Abendlicht!

Der Hafen ist rappelvoll. Nach einigem Suchen finden wir noch einen Platz an einer Kaimauer. Als wir angelegt haben ist es 21 Uhr. Doch verborgen hinter grünen Büschen und Bäumen tobt der Bär. In dem dahinter liegenden Lokal ist Party mit Lifemusik angesagt. Wir haben das Gefühl, direkt neben den Boxen zu liegen. Da wir aber wieder so kaputt sind – aus den geplanten 33 Seemeilen sind mal eben 45 geworden, schlafen wir nach der Linsensuppe aus der Dose sofort ein. Und heute Abend wollen wir den Süd- und Ostwind für den Sprung nach Rügen nutzen – denn danach ist starker Wind angesagt!

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Liegeplatz bei Tag betrachtet

6 Kommentare

  • Marcel says:

    Hurra! Jetzt kennst Du aber bald jede Schraube von eurem MD 17!! Weiterhin gute Reise Euch beiden, Marcel

  • Reiner says:

    Hallo ihr beiden, habe alle eure Berichte gelesen. Und ich kann alles sehr gut mitfühlen. Wir sind in die andere Richtung gefahren, haben aber auch ähnliche Erfahrungen gemacht. Haltet die Ohren steif. Würde mich freuen wenn wir uns Zuhause mal treffen könnten. Vieleicht kann Jürgen das ja mal organisieren. Grüße Reiner

  • paul says:

    Hallo Crew, also wenn ich die Wetterkarte richtig verfolgt habe müsstet Ihr noch mit SSE bis Rügen gekommen sein, bevor Rasmus richtig zulegt. In FRA war ein Sturm wie ich ihn nur aus dem Norden kannte. Sogar große Fenster gingen hier die Nacht kaputt. Wenn Ihr zwei Tage Pause macht im Hafen könnt ihr es noch gut schaffen. Gute Fahrt Paul

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