Ein ganzer Rundtörn

von emaloca am 28.07.2015 / in Allgemein
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(11 von 12) Unser Abwettertag in Sassnitz war wirklich ruhig. Wir haben nur mal kurz einen Abstecher zum Seenotrettungskreuzer der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gemacht, da dort Tag der offenen Tür war. Wir sind natürlich Mitglied und machen an dieser Stelle noch einmal Werbung für die DGzRS. Es ist schon beachtlich, was sie alles leisten, nur aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert. Doch als wir dann am Nachmittag die Windprognosen von Windfinder, DMI und DWD sehen, kommt doch schon wieder leichter Stress auf.

shanty-Chor sassnitz

Auch der Shanty-Chor Sassnitz wirbt für die DGzRS

Zum wiederholten Male heißt es ein Südwindfenster zu nutzen und wieder einmal bedeutet es eine Nachfahrt. Denn die Perspektive für die kommenden Tage verheißt nichts Gutes: Wind aus Westen und das nicht zu knapp. Also: Boot aufklarieren, alles sicher verstauen, Brote schmieren, drei Thermoskannen mit heißem Wasser füllen … für uns alles schon Routine geworden.

Gegen 21 Uhr verlassen wir Sassnitz. Die Ostsee bringt uns immer noch zum Staunen. Wo sind nur die Hammerwellen geblieben? Das Boot gleitet in der Abendsonne an den berühmten Kreidefelsen von Rügen vorbei. Nach unserer Berechnung, ausgehend von der Windprognose, werden wir in 3 Stunden Kap Arkona erreichen. Wir merken aber schnell, dass wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben, denn der vorhergesagte Wind bleibt aus. Wir sehen vor uns den Leuchtturm von Arkona … und sehen ihn … und sehen ihn.

Nachtfahrt, die Neunte (ohne Beethoven)

Nachtfahrt, die Neunte (ohne Beethoven)

Endlich, nach 4 Stunden haben wir das Kap umrundet und nach einer Weile kommt auch der richtige Wind für uns. Was für eine schöne Rauschefahrt, immer zwischen 5 und 6,5 Knoten bei wenig Welle. Herrlich! Da holen wir die Bummelei vor Kap Arkona doch locker wieder rein. So segeln wir die Nacht und fast noch den ganzen Tag dahin. Obwohl wir ungefähr 24 Stunden unterwegs sein werden, sind wir viel weniger kaputt als beim 12 Stunden-Törn von Kolberg nach Sassnitz. Entscheidend sind also die Segelbedingungen und nicht so sehr die Zeit, die mensch segelt.

Nachmittags kommt Fehmarn in Sicht. Wir grinsen uns an, schütteln ungläubig den Kopf. Sind wir wehmütig oder froh, dass dieser Törn nun bald zu Ende ist? Auf jeden Fall sind wir randvoll gefüllt mit Erlebnissen, Eindrücken und Erfahrungen. Wir werden einige Zeit brauchen, um das alles zu verarbeiten. Aber eines spüren wir jetzt schon deutlich: wir haben unbändige Lust auf mehr Meer!

Trockenübungen im Reffen

schietwetter

Da braut sich am Ende doch nicht noch was zusammen?

Als die Fehmarnsundbrücke in den Blick kommt, umzingeln uns mehrere dunkle Regenfronten. Bringen sie Schauerböen mit sich? Wir reffen vorsichtshalber die Genua. Die eine Schauerböe löst sich in Wohlgefallen auf. Wir machen das Reff raus. Die nächste Schauerböe kündigt sich an, noch mal ein Reff rein. Wieder passiert nichts, wieder Reff raus! Oh, voraus ist es aber wirklich schwarz. Das könnte uns im Fahrwasser oder unter der Brücke erwischen. Dann lieber doch schnell das Groß reffen. Auch dieses schwarze Ungetüm entpuppt sich als Windei und wir binden das Reff wieder raus. Diese Trockenübungen im Reffen und Ausreffen absolvieren wir inzwischen völlig locker.

Dann haben wir auch noch fast zwei Knoten Strom von Achtern und wir staunen: unsere Logge zeigt doch tatsächlich 7,2 Knoten! Ein untrügliches Zeichen, Emaloca will in den Heimathafen Orth. 20 Minuten vor Orth schüttet es dann so richtig wie aus Eimern. Was für ein Abschluss: ‚Singing in the rain.‘ Nachdem die Leinen fest sind, kann sich das angekündigte Schietwetter austoben, so lange es will!

alles nass

Alles nass!

Zahlen, Daten, Fakten

Die liefert mir mein Skipper:
Wir haben in den viereinhalb Wochen 950 Seemeilen, davon 100 unter Motor zurückgelegt. Unter den insgesamt 10 Schlägen waren vier große darunter (111, 161, 179, 199 Seemeilen), der kleinste Schlag war 33 Seemeilen. Das heißt: wir haben zwei Drittel der Strecke mit 4 Schlägen bewältigt. Durchgesegelt sind wir 9 Nächte. Wer hätte das gedacht!? Wir jedenfalls nicht!

Was noch zu sagen wäre: Morgen werden wir von einer Landratte interviewt werden.  Ihr werdet das ganze Interview exclusive hier in voller Länge lesen können. Wir sind selbst schon gespannt!

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