Polnische Häfen zwischen Kolobrzeg und Wladislawowo

von emaloca am 13.09.2015 / in Allgemein
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Polnische Häfen sind die Oasen entlang der endlos scheinenden Ostseeküste mit breiten Stränden, zahlreichen Dünen und Kiefernwäldern. Schon während man an der Küste entlangsegelt, zieht einen diese Landschaft, Ruhe und Gelassenheit ausstrahlend, in den Bann.
Die Hafenstädte liegen alle an einem Fluss. Die Flussmündungen sind als Seekanal mit Vorhafen ausgebaut, der durch Wellenbrecher geschützt ist. Wir hatten wetterbedingt nie Probleme, es gibt aber Bedingungen unter denen es nicht ratsam ist, bestimmte Häfen anzulaufen. Also ganz wichtig: vor einem Törn Hafeninfos einholen. Das Buch von Jörn Heinrich: ‚Küstenhandbuch Polen und Litauen‘, war uns eine gute Hilfe. Nicht alle Infos zu den Häfen sind noch aktuell, aber das Buch hat Empfehlungen mit Kartenausschnitten für das Anlaufen (oder eben Nichtanlaufen) der einzelnen Häfen. Leider gab es keine (im Buch versprochenen) Aktualisierungen auf der Website des Autors. Einen kleinen, liebevoll aufgemachten Hafenführer von baltic sailing haben wir kostenlos bestellt und postwendend mit einer Broschüre zum Schmökern vor dem Törn zugeschickt bekommen.

Einfahrt in den Seekanal von Leba

Einfahrt in den Seekanal von Leba

Häfen im Aufbruch

Die Hafenstädte, die wir 2015 angelaufen sind, sind alle im Aufbruch/Umbruch. Viel wird oder ist gerade neu gebaut worden. Übrigens haben wir dort nur freundliche, hilfsbereite und engagierte Hafenmeister getroffen – nicht unbedingt immer selbstverständlich, oder? Und wer die Liegegebühren von dänischen oder gar schwedischen Häfen gewöhnt ist, wird hier mehr als positiv überrascht. Im Gegensatz zu den dänischen Häfen gibt es keine allgegenwärtige Grillplatzkultur, dafür aber überall äußerst günstigen, fangfrischen oder geräucherten Fisch. Außerdem erstklassige Back- und Konditorwaren, Obst und Gemüse in Spitzenqualität und Eis in italienischer Premiumqualität. Lecker! Anders als in den Marinas haben wir in den Orten kaum deutsche Touristen angetroffen.

Ferienzeit ist Kirmeszeit

Kirmes total in Wladislawowo

Kirmes total in Wladislawowo

Darauf sollte man in der polnischen Feriensaison gefasst sein: Ferienzeit in Polen bedeutet Kirmeszeit in den Hafenstädtchen. Viele Menschen, viele Einkaufsbuden, Karussells, Essstände … und das alles geht nicht gerade leise ab. Wohltuend dabei ist uns aber aufgefallen, dass alle ganz stressfrei miteinander umgehen, kein Geschimpfe und Geschiebe auf den Straßen und Wegen. Alles funktioniert fast wie ein Fischschwarm, da stoßen auch keine Fische zusammen oder kämpfen um das Wasserrecht. Die Polen fühlen sich in Gemeinschaft wohl. Die Sandstrände sind traumhaft, oft kilometerlang. Aber auch hier gilt: in Ortsnähe sind sie voll. Geht man aber ein Stückchen, herrscht herrliche Ruhe und Platz ohne Ende.

Strand

Kolobzreg – Kolberg
kolberg-tag

Vor der eigentlichen Marina in Kolberg

Von See kommend fallen einem dekonstruktivistische Hotelburgen am Strand auf. Im hinteren Teil des großen, weitläufigen Hafenareals mit Touristikkai, Militär, Werften, Tanklagern, auch noch einigen historischen Speichergebäuden aus Hansezeiten liegt die moderne Marina incl. Gaststätte mit Karaoke-Event, Boutique für Seglerbedarf und Videoüberwachung. Die Marina breitet sich um das alte Kastell (dort gibt es hervorragenden Räucherfisch) aus. Eine futuristische Brückenbeleuchtung illuminiert den Hafen. Erweiterungsarbeiten des Jachthafens waren 2015 im Gange. Stadtzentrum und Einkaufmöglichkeiten sind fußläufig in ca. 15 Minuten erreichbar. Das frühere Kolberg ist heute eine pulsierende Küstenmetropole im Spannungsfeld zwischen realsozialistischem Städtebau, moderner Architektur und historischer Bausubstanz.

Darlowo – Rügenwalde
Marina mit Blick auf Werft

Marina mit Blick auf Werft

Nach Passieren der Kirmesmeile am Seekanal zweigt man in den alten Fischereihafen ab, der zur Marina umgebaut wurde. Unmittelbar angrenzend liegt eine kleine Werft, man blickt auf maritimen Schrott und aufgebockte Boote. Uns gefallen Häfen, in denen noch normales Leben zu spüren ist. Die Sanitäreinrichtungen sind nagelneu, ein Grillhaus wurde gerade gebaut. Das zur Stadt führende Flussufer bietet Liegeplatzmöglichkeiten, wenn der Hafen voll ist. Die neue Flusspromenade zur 3 Kilometern entfernten Stadt ersetzt als Flaniermeile mit vielen Fitnessgeräten eine Muckibude. Uns hat der historisch wiederhergestellte Marktplatz gefallen. Alle Einkaufsmöglichkeiten sind auch näher im Hafenbereich vorhanden.

Ustka
 Ustka

Utska – Seeseite

Überrascht wurden wir von einer Fußgängerschwenkbrücke, die den Weg zum Hafen des hübschen, kleinen Fischerstädtchens versperrt, aber regelmäßig geöffnet wird. Sie war in keiner unserer Unterlagen verzeichnet. 2015 gab es nur die Möglichkeit, am Stadtkai zu liegen und die Sanitäranlagen in einem Hotel zu nutzen, aber alles sauber und freundlich. Entlang des Stadtkais wird gerade mit Augenmaß und viel Gespür für die historische Bausubstanz renoviert und modernisiert. Durchgangsverkehr und Schwell der Ostsee sorgen für bewegtes Liegen. Eine Marina ist im Bau, damit dürfte dann wahrscheinlich 2016 ein ruhigerer Liegeplatz verbunden sein.

Leba

Nach Fahrt durch den Seekanal liegt der beliebte Hafen sehr geschützt in einem Kiefernwaldcarrée. In der ansonsten sehr ruhigen Marina hat man allerdings tagsüber ca. alle halbe Stunde Teil am polnischen Urlaubsvergnügen Nr. 1: Piratenanimation, Discomucke und Partylaune auf martialisch aufgemotzter Wikingerkoggen. Der Ort ist zu Fuß in 20 Minuten erreichbar. Schon auf dem Weg reihen sich Kneipen, Fischlokale¸ Einkaufsstände und Kirmesbuden dicht aneinander. Ist man am Stadthafen angelangt, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Bunt, schrill, laut und lecker!

Party

„Partyschiff“

Wladislawowo

Im Absprunghafen nach Litauen liegt man mitten im großen Fischereihafen. Es gibt einige wenige Schwimmstege für Segelboote an dem belebten Zugang zum Strand, aber es ist auch genügend Platz an der Kaimauer. Kleinere Boote erfordern hier Kletterkünste. Die Sanitäranlagen werden offensichtlich privat betrieben und gehören nicht explizit zum Hafen: Dusche, Toilettenbenutzung, Waschbeckennutzung: alles kostet extra. Nach unserem Eindruck tobte in der Hafenmeile und der ganzen Stadt die polnische Sommerkirmes in Höchstform. Man kann sich der Beschallung nicht entziehen, erst etliche Seemeilen hinter Wladislawowo kehrt Ruhe ein.

Party

Partytime

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