Anholt – Perle im Kattegat

von emaloca am 20.07.2016 / in Ostseetörns
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Anholt du schöne Insel mitten im Kattegat! Wir geben zu, wir haben uns ein wenig in dich verliebt. In deine langen Sandstrände, dein glasklares Wasser und in deine mit Heide und knorrigem Wacholder bewachsenen Dünen, die unglaubliche Ausblickes aufs Meer erlauben. Dein Unterwassergarten gibt manchmal bizarre Schönheiten frei und lässt sie an den Strand treiben.

 

HalbwindEin ordentlicher Halbwind hat uns die 60 Seemeilen von Samsö direkt nach Anholt geweht. Die Logge zeigte immer über 6 Knoten, so dass wir schon nach 9 Stunden im Hafen festmachen konnten.tang

Strand

Den Hafen kann man mögen, muss man aber nicht. Er bietet Platz für 300 Schiffe und wohl auch für etliche Crews, die gerne mal feiern. Und das kann so aussehen: Eine Männergruppe von 8 bis 10 Nordländern am Strand mit Hawaihemden und Strohhüten bekleidet. Aus einem Ghettoblaster erschallt Salzamusik und eine riesige Schüssel mit diversen Alkoholflaschen und-sorten gibt es auch. Zwei aufblasbare Bonsai-Palmen runden das Ambiente ab. Und wenn dann die Nordländer am Strand wie Südländer tanzen sieht es eben auch genauso aus. Aber geht man einfach ein Stück weiter am Strand entlang ist von dem Trubel nichts mehr zu hören und zu sehen.

heide

So weit die Füße tragen

Aus mehreren Gründen unvergesslich wird unsere Wanderung zum Leuchtturm an der Ostspitze der Insel sein. Kilometerlanger Strand, den wir ganz allein für uns haben. Dünen und Sandstrand, die Wind und Wasser mit den unterschiedlichsten Formen und Mustern bemalt haben.

Leuchtturm

Bei dem, auf imposantem Fundament stehenden, Leuchtturm gibt es eine Beobachtungsstation für Seehunde. Für das Schutzgebiet gilt: Betreten verboten, aber ein fest montiertes sehr starkes Fernglas erlaubt einen Einblick in die Robbenkolonie. Faul und feist liegen sie dicht gedrängt auf einer Sandbank und lassen sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Wir nehmen uns daran ein Beispiel und machen ein gepflegtes Mittagsschläfchen eingerahmt von betörend duftenden Wildrosen.

seehunde

Auf dem Weg zurück merken wir dann doch allmählich: lange Strandwanderungen sind anstrengend – zumal wir die sweet sixtees schon leicht überschritten haben. Zum Leuchtturm und zurück sind es so um die 20 Kilometer im Sand. Mich beschleicht kurz vor dem Hafen die Sorge, nicht mehr aufs Boot zu kommen. Es liegt nämlich an einem Schwimmsteg und der Abstand zum Bugspriet ist unter normalen Umständen für mich schon ganz schön hoch. Mein Skipper ist derweil in Gedanken mit seinen Hüftgelenken beschäftigt. Aber wir beenden die Wanderung wie Fußballprofis, die sich nach dem Spiel in Eiswasser setzen – wir nutzen die Ostsee. Es hilft, am nächsten Tag ist alles wieder okay.

Man weiß nie, wozu es gut ist

Auch das macht uns die Insel wieder einmal deutlich. Als an einem Abend im Hafen eine Crew – freundlich ausgedrückt – feucht fröhlich – mit lauter Schlagermusik feiert und eine andere Crew mit klassischer Tenormusik dagegen hält, entscheiden wir uns unfreiwillig für einen Molenspaziergang, weg vom Lärm. Abseits vom Trubel, vor einer geschlossenen Cafebar, sitzt auf selbst gezimmerten Sitzgelegenheiten aus Paletten und Kissen aus alten Kaffeesäcken ein Gitarre und Querflöte. Wir bleiben stehen und lauschen.

Band

Sie bedanken sich fürs Zuhören und laden uns ein, dazu zu kommen. Vorhin hätten sie für die ankommenden Gäste der Fähre gespielt, aber jetzt nur noch zum Spaß für sich. Begeistert erzählen sie vom Festival in Roskilde, wo sie Neil Young live gehört hätten. Dann stehen sie auf und beglücken uns mit einem Privatkonzert, wozu natürlich auch ein Stück von Neil Young dazugehört. Wir danken ihnen herzlich (und innerlich auch der lärmenden Crew, die uns vom Boot vetrieben hatte).

Ein anderes Beispiel von „Man weiß nie wozu es gut ist“, hatten wir schon am Morgen erlebt. Es nieselte und wir hatten die Kuchenbude aufgebaut. Der Frühstückstisch war reichlich gedeckt: Obstsalat, Käse, Marmelade, ein gekochtes Ei… alles was das Herz begehrt.. Plötzlich ein lautes Geräusch: Bamm, bamm. Es dauerte ein paar Schrecksekunden bis mir klar wird, woher es kam: Ein Monstervogel hat unter all den Booten im Hafen gerade unsere Kuchenbude ausgesucht, um 2 dicke, fette Flatschen abzulassen.

Monstervogel

Das olle Vogelviech muss auch noch blaue Beeren gefressen haben. Dicke graulila bis auberginefarbene Flecken auf unserer beigen Kuchenbude. Zuerst die totale Entrüstung, aber dann die Erleichterung. Was wäre gewesen, wenn es nicht genieselt hätte und wir keine Kuchenbude aufgebaut hätten und alles auf dem gedeckten Frühstückstisch gelandet wäre….

Die Schandmale ließen sich nicht wegschrubben, außerdem kam die Sonne und wir zogen einen ausgiebigen Spaziergang durch die Heidedünen vor. Wozu ärgern, die Flecken würden wir eben als Anholter Andenken behalten. Doch als wir zurückkamen, hatten Zeit und Sonne ihr Werk vollbracht und die Kuchenbude entfärbt.

Ach Welt, kannst du deine Probleme nicht auch einfach mal mit etwas Gelassenheit, Zeit und Sonnenschein lösen?!!

muschelhut

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