Im Bann von Samsö und Anholt

von emaloca am 08.06.2019 / in Allgemein
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(3-2019) In diesem Blog beschreiben wir, warum wir bislang nur langsam vorankommen – und dass Wind und Wetter dabei nicht die Hauptrolle spielen, sondern in diesem Fall die Schönheit der beiden Inseln Samsö und Anholt im Kattegat.

Nordspitze Samsö

Es war Zeit Kerteminde zu verlassen. Wir hatten den Start der Rund Fünen Regatta erlebt und nun kamen die ersten Boote wieder an. Also auf nach Samsö.

Samsö

Samsö, wir waren schon mehrmals dort – vor Anker oder im Hafen von Langör – und immer wieder zieht uns die Insel in ihren Bann. Der ruhige Hafen von Langör liegt mitten in einem Naturreservat.

Wir hätten am nächstenTag weitersegeln können, Wind und Wetter hätten gut gepasst, um uns ein Stück weiter gen Norwegen zu bringen. Aber nun sind wir schon auf Samsö und dann gleich weiter, ohne unsere Lieblingsorte zu besuchen? Geht gar nicht!

Von Langör sind es 10 Kilometer mit dem Fahrrad zur Nordspitze. Von den von der Eiszeit geformten Hügeln kann man weit hinaus über das Meer blicken. Doch zuvor gilt es die kleine Kirche von Langör zu besuchen, bzw. den Ort an dem sie steht. Er strahlt so unglaublich viel Ruhe und Frieden aus, dass wir hier immer einen Augenblick verweilen. Anfang Juni sind die Farben der Insel: Blau durch das Meer, Grün durch die Hecken und Wiesen und Weiß, durch die vielen blühenden Weissdornbüsche und den weißen Sandstrand.

Wir wären am übernächsten Tag bei wenig Wind zumindest ein Stück weit bis nach Greena auf dem dänischen Festland gekommen. Doch das schloss mein Skipper definitiv aus: „Greena, auf keinen Fall. Ich fahre nicht in diesen Hafen, da kommen schlechte Erinnerungen hoch. Wir warten bis wir den richtigen Wind für Anholt haben!“ (Stimmt, wir hingen vor ein paar Jahren einmal in Greena fest, weil ich eine Blasenentzündung hatte). Anholt liegt jetzt auch nicht unbedingt auf der direktesten Route nach Norwegen, ist aber eine so schöne Insel, da kann man einfach nicht dran vorbeisegeln.

(Steppen?)Adler aus Russland, aber auf Samsö geboren mit der stolzen Besitzerin.

Also machten wir eine Wanderung durch die Dünen, scheuchten am Strand leider einen jungen Seehund auf, den wir wegen seiner guten Tarnung viel zu spät bemerkten. Er guckte uns empört an, robbte ins Wasser und schwamm lässig davon. Als wir ein wenig später die Badesaison eröffneten, war es bei 15 Grad Wassertemperatur mit unserer Lässigkeit nicht weit her.

Von Samsö nach Anholt

Nach vier wundervollen, entschleunigten Tagen kam der richtige Wind für Anholt. Die Sonne lachte und zwei Drittel der Strecke zeigte unsere Logge immer über 6 Knoten (für die Landratten: ca 12 km/h). Eine herrliche Rauschefahrt bei frischem bis starkem Wind und einem Amwindkurs.

Dann wurde es beschaulich, Wind und Welle ließen immer mehr nach und wir entschleunigten auf maximal 3 Knoten. Motor anmachen? Auf keinen Fall! Hinhören, wie sich die Wassergeräusche ändern. Aus dem Rauschen wird ein Plätschern und Glucksen, manchmal kommt ein leisen Zischen dazu, das an das Öffnen einer Mineralwasserflasche erinnert.

Langsam taucht Anholt aus dem Dunst auf. Die Farbe des Wassers ändert sich. Aus dem metallischen Stahlblaugrau wird langsam ein Dunkelgrün-Türkis. Je weniger Wasser unter dem Kiel, desto mehr changiert die Farbe ins Hellblau-Türkise. Ich sehe, wie ein silbriger Fisch über das Wasser ditscht, wie ein flacher Kieselstein, den man vom Ufer ins Wasser wirft. Wer mag wohl sein Jäger sein, der ihn zu solch einer Akrobatik veranlasst?

Wenig später können wir ahnen, wer da jagt. Hinter unserem Boot machen sich 3 Schweinswale durch ihren Blas bemerkbar. Ich habe zwar zufällig die Kamera in der Hand, aber erst spät komme ich auf die Idee, ein Foto zu machen. Ich bin zu sehr mit Staunen beschäftigt.

Anholt

Morgens um 7 hiess es auf Samsö Leinen los und knapp 11 perfekte Stunden später machen wir im Hafen von Anholt fest.

Die Geschichte von Samsö wiederholt sich hier. Wir machen am nächsten Tag eine Fahrradtour über die Insel, picknicken auf dem Sonderbjerg, trinken Tee am einsamen Strand und saugen die Weite und das Blau des Meeres in uns ein.

Wir müssten eigentlich am nächsten Tag weitersegeln, denn der darauffolgende Tag bringt Sturm mit sich, wo es besser ist im Hafen zu bleiben. Aber wir sind doch erst einen Tag auf Anholt. Ein starker Regen am frühen Morgen nimmt uns die Entscheidung ab, Wind von hinten und das mit Regen?

 

So eilig haben wir es doch auch nicht. Wir bleiben, es wird schon noch der richtige Wind kommen und dann machen wir eben einen größeren Schlag. Gerd hat beim Fischer Jungfruhummer ergattert, die Ostseevariante von Langustinos. Der Rosewein ist kaltgestellt, der Einhandsegler Hans heute Abend zum Essen eingeladen und jetzt gucken wir mal, was die Tage auf Anholt noch so für uns bereithalten.

P.S.

Gesehen auf Anholt, hat uns gefreut!

5 Kommentare

  • Hans Schwarz says:

    Eure Reise ist ein Traum. Schön, dass ich mitträumen darf. Einzigartig die Aufnahmen
    von Landschaften, Strand und Meer, Mensch und Tier.
    Lea´s Hund Pepper schläft neben mir. Die Damen des Hauses sind noch unterwegs.
    Ich war heute am Beach und habe beim Boulespielen geschiedst. Am Montag fahre ich selbst mit einem Freund zu einem Turnier in Enschede. Ich habe schon auf euren Bericht gewartet und jeden Tag nachgeschaut. Weiter sichere Reise durchs Kattegatt.

    Da bin ich ja im “ Mitsomer“ auch schon rüber nach Kristiansand, habe immer nach Norden geblickt und das Licht genossen, die ganze“ Nacht“ hindurch…morgens haben wir dann angelegt. Bitte weiter berichten….

  • Ernst Gocksch says:

    Bin ganz neidisch über eueren wirklich entspannten Genießer Trip! Lasst etwas „Blau“ für uns übrig!
    Wir übernehmen unser Boot am Mittwoch. Freitag soll es dann nach Gotland gehen.
    Euch weiter ausreichend türkisfarbenes Wasser unter dem Kiel.
    Ingrid und Ernst

  • Moin, Moin,
    Danke für die Wünsche. Auch ihr werdet euer blau schon finden. Wir wünschen euch, dass ihr das Gefährlichste einer Reise heil übersteht- die Fahrt mit dem Auto zu La Siesta.
    Anke und Gerd

  • Wolfgang Baer says:

    Hallo ihr lieben,
    bin mal wieder bei eurem Blog dabei!!
    Schön zu lesen und zu schauen. Ich wünsche euch einen schönen weiteren Verlauf eurer Reise und noch viele so interessante Berichte .

    Alles Gute

    Wolfgang

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