Bergen – und ein Stück weiter in den Sognefjord

von emaloca am 01.08.2019 / in Allgemein
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(10-2019) Wir haben es geschafft! Wir sind in Bergen, dem Umkehrpunkt unseres Segeltörns. Naja fast, denn wir lassen uns mit einem Schnellboot noch ein Stück weiter fahren, bis hinein in den Sognefjord nach Flam, dann mit der gleichnamigen Bahn noch 866 Meter über NN nach Myrdal und mit der Bergen-Bahn zurück. Was für ein grandioses Erlebnis!

Mittags kommen wir im Hafen von Hjellestad an. Als wir mit dem Bus Bergen erreichen, sehen wir, dass es die richtige Entscheidung war. Im Stadthafen ist der Teufel los. Trubel ist noch untertrieben, Massen wälzen sich am Stadtkai entlang, ein Betrieb wie beim Hamburger Hafenfest. Das Tall Ship Race ist in Bergen angekommen, die Kaimauern sind belegt mit den großen Rahseglern. Pünktlich mit uns ist auch ein Hoch eingetroffen und wird uns die nächsten Tage mit Temperaturen um die 25 Grad, Sonne und Sicht beglücken.

Die Stadt Bergen

Bergen ist mit knapp 300 000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt in Norwegen. Die Altstadt mit ihren engen Gassen und Holzhäusern gefällt uns gut. Die Bauten aus späteren Jahren oder die Neubauten überzeugen uns nicht wirklich. Da hat Oslo eine spannendere Architektur zu bieten. Als wir ziellos durch die Stadt schlendern und irgendwann bewusst die idyllischen Holzhausviertel verlassen spricht uns ein Norweger an. Wir seien doch Touristen und das Zentrum wäre in der anderen Richtung. Ja, danke, das wüssten wir. Der gute Mann lässt nicht locker. Wenn ihr schon hier gehen wollt, dann geht doch besser eine Straße höher, da sind schöne Holzhäuser. Dies ist doch nicht für Touristen interessant. Bei so viel aufmerksamer Freundlichkeit bleibt uns nichts anderes übrig als wieder in eine blumengeschmückte Holzhausstraße zu gehen. Aber sobald er ausser Sichtweite ist, biegen wir wieder ab in Richtung „uninteressant für Touristen!“

Aida und co

Viele Sprachen und Reisegruppen schwirren durch Bergen. Dazu tragen sicherlich nicht zuletzt die Aidas und co bei, deren tausende von Passagieren für ein paar Stunden Freigang haben. Als wir am Stadtkai auf einer Bank sitzen und in Ruhe unseren Tee trinken, hören wir folgende Dialoge:

Kind nörgelt: Wann gehen wir endlich wieder auf die Aida?
Mutter: Schatz, Papa kauft gerade Sushi in der Fischhalle, das ess ich doch so gerne. Da hast du doch auch die großen Krebse gesehen. … Ah hallo. Wo kommt ihr denn her? Wir waren oben auf dem Berg, sind aber nicht gelaufen, sondern gefahren. Toll dort, da sind auch viel Angebote für Kinder. Ihr wart sicher so in den Bergen.
Angesprochene: Nein, wir waren schoppen.
Mutter: Ah, das ist auch toll! Wir waren gerade in der Fischhalle. Haben diese großen Krebse probiert. Aber es ist schon hart, wie sie die mit dem Messer zerteilen.
Angesprochene: Oh, das hat den Kleinen aber sicherlich erschreckt.
Mutter mitfühlend: Ja, aber bis heute abend ist das wieder vergessen, nicht wahr mein Schatz?
Eine andere Person: Hat er nun Elchwurst oder Rentierwurst probiert? Da muss man doch einen Unterschied schmecken.
Antwort: Ich glaube, es war was mir R.

Wir denken: „Bekommen die auf der Aida nicht genug zu essen?“ und freuen uns auf unsere Emaloca.

Optische Umweltverschmutzung, sie dominieren alles!

Der Sognefjord

Das gute Wetter muss genutzt werden, wir buchen im Touristenbüro „Norway in a nutshell!“ Ein Schnellboot bringt uns am nächsten Morgen in fünfeinhalb Stunden mit 30 Knoten (fast 60 kmh) bis nach Flam in den Sognefjord. Dieser ist insgesamt fast 200 km lang,. An vielen Stellen ist das Wasser so tief, wie manche ihn umgebene Berge hoch sind: über 1000 Meter. Man hat wirkllich den Eindruck weit über NN zu sein.

Wir sitzen am Tisch zusammen mit einem alleine reisenden Amerikaner, einer Deutschen und einem Australier. Im Laufe der nächsten Stunden eint uns das Staunen, die Begeisterung, das Nicht Fassen Können was die Augen sehen. Wir strahlen uns an, weisen den anderen auf eine besonders faszinierende Felsformation, einen Wasserfall oder Schneeflecken hin, verlassen immer wieder unsere Plätze um nach draussen in den Wind zu gehen, um zu fotografieren oder eine noch bessere Sicht zu haben. Beschreiben lässt sich dieses grandiose Erlebnis schwer, wir lassen Bilder sprechen – wahrscheinlich können diese auch nur eine Ahnung vermitteln .

Menschen treffen Menschen

Faszinierend ist, wie dieses überwältigende Erlebnis uns Menschen öffnet. Wir erfahren, dass der Australier im Irak geboren wurde, aufgrund von Schwierigkeiten mit Sadam Hussein vor 25 Jahren nach Australien gekommen ist und 4 Jahre in einem Flüchtlingscamp gelebt hat. Nun besitzt er eine gut gehende Firma, scheint ein ziemlich wohlhabender Mensch zu sein und reist durch die Welt.

Auf seine halbe Frage, halbe Aussage, dass die Deutschen den Flüchtlingen viel helfen, holen wir erst einmal Luft.

Doch dann sagen wir aufgrund unserer Erfahren: Ja, viele würden helfen, aber ein paar Verrückte gäbe es schon, die gegen Flüchtlinge hetzen. Dann erzählen wir von unserem Engagement (www.zweite-heimat-warburg.de) und wie wir von unseren Eltern geprägt wurden, die als junge Menschen den Krieg erlebt hätten. Der Australier erzählt, dass er mit anderen eine Organistation gegründet habe, die Rollstühle finanziert für vom Terror verwundete Menschen.

Der Amerikaner lässt seiner Verzweiflung über Trump freien Lauf und sagt, dass nur alte weiße Männer auf dem Land den Verrückten wählen würden. Er selbst habe seinen Job hingeschmissen, die Beziehung beendet und reise jetzt durch Europa. Allein bekäme man immer ein Zimmer oder einen Platz in der Bahn, alles wäre viel einfacher.

Die deutsche Alleinreisende schluckt dabei etwas. Sie, Museumspädagogin in Sachen Hoffmann von Fallersleben wirkt, als ob sie sich etwas anderes wünschen würde. Der Australier findet es manchmal schwer allein zu reisen und Gerd und ich sind glücklich, dass wir solche Erlebnisse miteinander teilen können. Wir bedauern alle, als wir uns nach fünfeinhalb Stunden voneinander verabschieden müssen. Es hätte bestimmt noch spannende Gespräche gegeben.

Eine Monster-Aida liegt ebenfalls in Fram. Der Ort scheint weitgehend nur aus einer Touristenshoppingmeile zu bestehen und nimmt die Sicht in den Fjord.

Zurück auf NN

Gerd und ich steigen um in die Flam-Bahn. Auch wenn es sich während der Bootsfahrt schon angefühlt hat, als ob wir in den Bergen wären, sind wir es bald nun wirklich, in einer knappen Stunde fast 900 Meter über NN.

Dann geht es mit der Bergen-Bahn wieder hinunter, wo wir erschöpft aber selig in die Sitze fallen. Als wir uns einen Tee machen und unsere Teeschalen hervorholen bringen wir eine Asiatin damit zum Kichern. Als sie mit ihrer Reisegruppe später aussteigt, sagt sie ganz freundlich bye, bye und winkt. 500 km an einem Tag, für uns die absolute Ausnahme, für Asiaten anscheinend die Regel.

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