Rügen und die Boddengewässer

von emaloca am 12.07.2020 / in Ostseetörns
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Zwei Wochen lang haben wir Rügen und die Boddengewässer erkundet. Die kleinen Häfen waren für uns Ausgangspunkt für ausgiebige Fahrradtouren. Wir entdeckten: schöne Fahrradwege, das weisse Gold von Rügen, Seebäder, leckere regionale Küche, nationalsozialistischen Größenwahn, beeindruckende Alleen, riesige Monokulturen, Störtebeker in verschiedenen Varianten, weite Ebenen und hügelige Landschaften. Und nebenbei gehörte Abwettern immer dazu.

Wetter und Segeln

Beides passt schon seit einiger Zeit irgendwie nicht so richtig zusammen. Vorherrschend ist Starkwind mit Regen, Starkwind mit Sonne, kein Wind mit Regen… So fahren wir in der Regel ohne Motor zu den kleinen Häfen (Wiek, Ralswiek, Martinshagen, Schaprode) in den Boddengewässern und erkunden Rügen per Fahrrad. Doch nach 2 Wochen wollen wir auf zu neuen Ufern, ein geeignetes Windfenster nutzen, um nach Bornholm segeln. Von Lubmin aus liegen 70 Seemeilen und ca. 12 Stunden Segeln vor uns.

Fahrradwege

Es gibt viele gut ausgeschilderte Fahrradwege auf Rügen. Mit einem Klappfahrrad Wanderwege zu befahren, bringt einen aber noch einmal an ganz andere Stellen, kann allerdings anstrengend sein. Es tröstet den Allerwertesten z.B. wenig zu wissen, dass er gerade von einem Kopfsteinpflasterweg aus dem Jahr 1860 malträtiert wird. Und das Geknirsche der Ketten auf Sandwegen ist auch nicht unbedingt schön. Belohnt wurden wir aber immer mit imposanten Ausblicken und Naturerfahrungen.

Prora und die sogenannte „Kraft durch Freude“

Das Seebad war von der Naziorganisation „Kraft durch Freude“ für 20 000 Menschen geplant und 1936 wurde mit dem Bau begonnen: 8 Blöcke mit insgesamt 4,5 km (!!!) Länge. 1939, mit Kriegsbeginn, wurden die Bauarbeiten eingestellt und Prora wurde für „kriegswichtige Zwecke“ genutzt: zur Ausbildung von militärischen Einheiten, als Behelfsunterkunft für Ausgebombte und Evakuierte sowie als Lazarett. Nach dem Krieg baute die Kasernierte Volkspolizei (KVP) die Anlage als Kaserne aus. 1956 war Prora dann Militärstandort der NVA. (Flyer Prora Zentrum) Prora wurde zum Sperrgebiet.

Nach der Wiedervereinigung übernahm die Bundeswehr die Anlage und wickelte den Standort ab. Waren unmittelbar nach dem Krieg schon 2 km Größenwahn zerstört worden, verfiel nun ein Großteil der Kasernen. Seit 2004 werden einzelne Blöcke verkauft und als Hotel oder Wohnanlagen umgebaut. Trotz dieser sichtbaren Änderungen wirkte der Ort auf uns trostlos und beklemmend – und das lag nicht nur am Wetter.

Touristische Brennpunkte

Wegen Corona war Rügen während unseres Aufenthaltes noch für Tagestouristen gesperrt. Orte, die wir als voll empfanden, sind normalerweise wahrscheinlich rappelvoll.

Die Stubbenkammer mit dem Königsstuhl sind offensichtlich ein Muss für Rügenbesucher. Buchenwald mit Kreidefelsen, die schon dem Maler der Romantik Kaspar David Friedrich als Motiv dienten. Heute standen die Leute Schlange, um auf eine Plattform zu kommen, auf der sie dann ein Selfie von sich und dem Kreidefelsen machen konnten. Wir drehten postwendend ab.

Binz ist ein bekanntes Seebad mit Promenade, vielen Einkehrmöglichkeiten, Fussgängerzone, alten Kurvillen und Seebrücke. Trotz des schlechten Wetters flanierten ziemlich viele Menschen durch die Stadt. Lohme ist nicht ganz so groß und mondän wie Binz. Der Ort liegt am Hang und bietet einen fantastischen Blick über die Ostsee.

Da die Störtebeker Festspiele coronabedingt dieses Jahr ausfallen, wirkt Ralswiek verlassen. Ansonsten kommen hier jährlich über 300.000 Besucher zum Freilichttheater. Ort und Hafen liegen geschützt in einer von Buchenwald umstandenen Bucht. Im Schlosspark können seltene, alte Baumriesen bestaunt und im Schloss kann fürstlich gespeist werden.

P.S.

Geeignet für dieses wechselhafte, stürmische und kalte Wetter: Sundowner für die Kuchenbude im Boot. Dabei dann träumen von Sommer und Segeln.

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